Letztes Jahr stand ein einfacher Test auf dem Programm. Max sollte im Gesundheitsamt auf eine Leuchttafel schauen.
Eine langweilige Leuchttafel. Mit einer altmodischen Teekanne, einem Auto, einer Flagge und noch ein paar solchen albernen Dingen darauf.
Der Kleine dachte wahrscheinlich: So etwas Dummes schaue ich mir doch nicht an. Für so etwas Langweiliges sitze ich doch nicht 5 Minuten still auf einem Stuhl. Für so etwas Banales setze ich mir doch nicht auch noch eine weiße Brille auf. Bei der zudem noch ein Auge zugedeckt ist. Bist du verrückt, warum sollte ich?
Na ja, weil deine Mama gerne wissen möchte, ob deine Augen auch wirklich in Ordnung sind. Ob sie alles gut sehen können, so weit weg. Dort drüben, auf dem Leuchtkasten. Denn Mama war als Kind schielend und als Teenager kurzsichtig und trägt daher schon ihr ganzes Leben lang eine Brille. Und wenn es geht, möchte sie dir das ersparen. Aber dafür musst du dich eben auf den Stuhl setzen.
Das wollte er aber nicht.
Nach mehreren Versuchen war es nun wieder soweit. Und ein kleiner Junge, der fast 4 ist und eine süße kleine Schwester hat und dem daher ständig gesagt wird, dass er schon ein großer, starker Kerl ist – der setzt sich doch endlich mal auf diesen Hocker, oder? Und all diese kleinen Fähnchen, Autos und Teekannen entziffern? AUCH in der untersten Reihe? MIT Brille auf der Nase? Doch, oder?
Es dauerte ein ganzes Jahr, bis unser Sohn klug genug war, still zu sitzen und Anweisungen zu befolgen.
Aber es hat geklappt.
Max’ Augen haben eine gute Note bekommen.
