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Auf NPO Radio 1: Öffentlich finanzierter Pornofilm
Auf Initiative eines deutschen Medienpersönlichkeit (Jan Böhmermann) wurde kürzlich der erste öffentlich finanzierte Pornofilm gedreht. Dahinter steckt jedoch eine tiefere Botschaft. Dazu berichtet Deutschland-Korrespondentin Ulrike Nagel.
Zusammenfassung dieses Gesprächs
Die Journalistin Ulrike Nagel diskutiert in „Bureau Buitenland” auf NPO Radio 1 eine bemerkenswerte Situation in Deutschland: einen öffentlich finanzierten Pornofilm.
Ulrike Nagel auf NPO Radio 1: In Deutschland öffentlich finanzierter Pornofilm
Öffentlich finanzierter Porno [00:09]: Der Film wurde mit den monatlichen Beiträgen von etwa 18 Euro finanziert, die die Deutschen für das öffentlich-rechtliche Fernsehen zahlen. Diese Initiative stammt von Jan Böhmermann, einem bekannten deutschen Satiriker, vergleichbar mit Arjen Lubach in den Niederlanden [00:41].
Ethischer Pornofilm [00:51]: Böhmermann beschreibt den Film als „ethischen Pornofilm”. Er behauptet, dass Pornos, genau wie Schokolade und Kaffee, mittlerweile völlig normal geworden sind und es daher auch eine „Fair Trade”-Version davon geben muss. Die Darsteller wurden gut bezahlt, nahmen freiwillig teil und die Produktion war sicher. Damit ist es der erste öffentlich finanzierte Pornofilm [01:07].
Zugrundeliegende Botschaft [01:25]: Der Pornofilm selbst ist nicht das Hauptziel. Böhmermann möchte mit dieser Produktion zwei Probleme ansprechen:
Zugänglichkeit für Minderjährige [01:37]: Es ist viel zu einfach für Minderjährige, an Pornos zu kommen. Sie können zwar keine Energy-Drinks kaufen, aber sie haben einfachen Zugang zu (manchmal sogar illegalen) Filmen auf großen kostenlosen Pornoseiten, von denen viele in Europa eingerichtet wurden.
Zweifelhafte ethische Werte [02:03]: Viele Pornoseiten vertreten zweifelhafte ethische Werte, mit illegalen Aufnahmen und sogar Vergewaltigungen. Unternehmer und Gesetzgeber übernehmen zu wenig Verantwortung.
Bedeutung der Debatte [02:19]: Böhmermann ist der Meinung, dass mehr über dieses Thema gesprochen werden muss, da mehr Menschen Pornos schauen als Netflix [02:20].
Kürzlich hat die deutsche Regierung die Geldbörse für die Produktion von nichts Geringerem als einem Pornofilm gezückt. „Damit ist es der erste öffentlich finanzierte Pornofilm überhaupt”, berichtet die Journalistin Ulrike Nagel in Bureau Buitenland.
Foto Jan Böhmermann
Die zugrunde liegende Botschaft
„Im Grunde geht es hier nicht so sehr um den gedrehten Pornofilm”, sagt die Journalistin. „Eigentlich will Böhmermann zwei Probleme mit der Pornoindustrie ansprechen.“ Erstens ist es für Minderjährige viel zu einfach, an Pornos zu kommen. „Sie dürfen im Supermarkt keine Dose Energy-Drink kaufen“, veranschaulicht Nagel, „aber auf den größten kostenlosen Pornoseiten kann jeder einfach auf illegale Filme klicken.“
Das zweite Problem, das Böhmermann anspricht, ist die zweifelhafte Rechtmäßigkeit vieler Pornoseiten. „Kürzlich wurde in Deutschland eine große Website offline genommen, weil unklar war, woher einige Filme stammten, und weil dort auch illegale Aufnahmen oder sogar Vergewaltigungen zu sehen waren”, erklärt der Journalist. Im Gegensatz zu vielen Pornos, die online zu finden sind, wurden die Darsteller für dieses Video gut bezahlt und ihre Teilnahme war natürlich völlig freiwillig.
Foto Jan Böhmermann
Verantwortung
Laut Böhmermann wird sowohl von den Websites selbst als auch auf politischer Ebene zu wenig Verantwortung übernommen. „Er findet, dass darüber mehr gesprochen werden muss“, sagt Nagel, „in Deutschland schauen die Menschen mehr Pornos als Netflix, daher ist es schmerzlich, dass junge Menschen hier nicht davor geschützt werden“.
In „Bureau Buitenland“ hören Sie internationale Nachrichten, Reportagen und Geopolitik. Mit Hintergrundinformationen und bemerkenswerten Geschichten, montags bis freitags von 13.30 bis 14.00 Uhr. Moderatoren: Sophie Derkzen und Tim de Wit