Auf Deutschlandfunk Kultur: Über die Mauer schauen – Niederländer interessieren sich für den Alltag in der DDR

Ulrike Nagel sprach im Deutschlandfunk (DLF) Kultur über das Interesse der Niederländer an der DDR und über ihren Podcast.

🎙️ Zusammenfassung des Gesprächs über die DDR und die Niederlande
Das Gespräch thematisiert das Interesse der Niederländer am Alltag in der DDR. Dies ist auch das Thema des Podcasts „Over de Muur“ (Über die Mauer), produziert von Ulrike Nagel. Die 45-jährige Journalistin wuchs in der DDR auf und zog später für Studium und Beruf in die Niederlande.

🏛️ Das DDR-Museum in Monnickendam
In den Niederlanden gibt es in Monnickendam, unweit von Amsterdam, ein DDR-Museum.

Gegründet wurde es von Friso de Zeeuw, einem politisch interessierten Geographen und Stadtplaner Anfang siebzig. Er begann mit dem Sammeln nach einem Besuch in Ost-Berlin im Jahr 1985.

Das Museum wurde vor genau 25 Jahren eröffnet und zeigt thematisch gegliederte Vitrinen zu Bereichen wie Kinderbetreuung, Schule, Massenorganisationen, NVA, Landwirtschaft, Industrie, Staatssicherheit und mehr.

De Zeeuw möchte mit seinem Museum das Bild der DDR als „graues, kommunistisches Land“ nuancieren und die Vielseitigkeit des DDR-Lebens aufzeigen.

Er stellt fest, dass zwar die meisten Besucher älter sind, inzwischen aber auch immer mehr junge Menschen den Weg ins Museum finden, was ihm Hoffnung gibt, dass diese Geschichte nicht verloren geht.

📝 Nagels Ziel und Erfahrung
Nagel möchte mit ihrem Podcast Ost-West-Stereotypen entgegenwirken – etwa der Vorstellung, dass die Menschen in der DDR arm waren und alles grau war.

Sie selbst hatte eine „großartige Kindheit im Osten“ und bemerkt, dass Menschen oft erstaunt reagieren, wenn sie davon erzählt, dann aber das Gespräch suchen und sich interessiert zeigen.

🤝 Beziehungen zwischen der DDR und den Niederlanden
Das Museum von De Zeeuw dokumentiert auch die Beziehungen zwischen beiden Ländern:

Offizielle Kontakte: Die Niederlande erkannten die DDR 1973 an. Der Podcast beleuchtet zudem die Verbindungen zwischen den Kirchen in beiden Ländern.

Wirtschaft und Kultur: Ein Großteil der in der DDR hergestellten „Klappfix“-Campinganhänger (heute Kultobjekte) wurde unter dem Namen „Alpenkreuzer“ in die Niederlande exportiert.

Politik: Es gab eine Vereinigung DDR-Niederlande und gegenseitige Besuche. Die Kontakte wurden jedoch problematischer, als sich linke Parteien in den Niederlanden (einschließlich der kommunistischen Partei) eher mit Gorbatschow als mit Honecker identifizieren konnten.

📚 Neues Projekt und Veranstaltungen
Das nächste Buch des Sammlers De Zeeuw wird sich den „Brigadetagebüchern“ widmen, die er als besonderen Schatz betrachtet, da sie das Leben der Arbeitskollektive dokumentieren.
De Zeeuw organisiert außerdem einen jährlichen DDR-Thementag, der stets ausverkauft ist und mehr als 200 Gäste anlockt. Einer der Referenten war bereits Matthias Gehler, der Pressesprecher der letzten DDR-Regierung.