Ulrike Nagel bei „Goedemorgen Nederland“ über die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt

In dieser Folge von „Goedemorgen Nederland“ spricht die Journalistin und Deutschland-Expertin Ulrike Nagel über einige aktuelle und durchaus besorgniserregende Entwicklungen in Deutschland. Das Gespräch beginnt mit einem kurzen Exkurs über grenzüberschreitende Kriminalität, wendet sich aber schon bald den bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und der russischen Spionage zu.


Die Spannung rund um die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt steigt, wo die rechtsextreme AfD (Alternative für Deutschland) unter der Führung ihres Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund auf einen großen Sieg zusteuert. Was sind ihre radikalen Pläne für das Bildungs- und Kulturwesen, und warum findet ihre nostalgische Botschaft im ehemaligen Ostdeutschland so großen Anklang?

Darüber hinaus erörtert Ulrike die berechtigten Sorgen um die Staatssicherheit, darunter die Befürchtung, dass die AfD Zugang zu den Geheimdiensten erhält, sowie die jüngsten Entdeckungen gezielter russischer Sabotageversuche gegen die deutsche Infrastruktur.

📌 Kapitel in diesem Video:
00:00 – Einleitung & das Vorgehen gegen niederländische Sprengstoffdiebe in Deutschland 01:21 – Der Aufstieg der AfD in Sachsen-Anhalt und der Erfolg von „Ulli“ Siegmund
03:34 – Radikale Wahlkampfpläne: Pflicht zur Vaterlandsliebe in Schulen 05:03 – Auswirkungen auf Kultur („un-deutsche Kunst“), Migration und Geheimdienste
12:36 – Russische Spionage, Drohnen und Sabotage am deutschen Stromnetz

Ulrike Nagel bij Goedemorgen Nederland over de Duitse verkiezingen in Sachsen-Anhalt
Ulrike Nagel bei „Goedemorgen Nederland“ über die deutschen Wahlen in Sachsen-Anhalt

Geldautomaten-Sprenger [00:22]
Zu Beginn des Beitrags wird kurz auf die Belästigungen durch niederländische Geldautomaten-Sprenger in Deutschland eingegangen. Ulrike erklärt, dass dieses Problem in Deutschland größer ist als in den Niederlanden, schlichtweg weil es in Deutschland viel mehr Geldautomaten gibt und die Deutschen noch viel häufiger mit Bargeld bezahlen.

Der Vormarsch der AfD in Sachsen-Anhalt [01:21]
Die Spannung rund um die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt steigt. Die rechtsextreme AfD (Alternative für Deutschland) ist stark im Aufwind und hofft sogar auf eine absolute Mehrheit. Der Spitzenkandidat (Ulrich Siegmund, von seinen Anhängern „Ulli“ genannt) ist sehr beliebt [02:25]. Ulrike beschreibt ihn als geschickten Verkäufer – er verkaufte früher Parfüm –, der sehr umgänglich ist, nah am Volk ist und den lokalen Dialekt spricht. Von seinen Anhängern wird er wie ein Popstar gefeiert.

Die Partei wirbt mit der Rückkehr zu „dem guten, sicheren Deutschland von früher“ [04:18]. Ulrike kontert dies, indem sie betont, dass diese idealisierte Vergangenheit nie existiert hat; nach dem Fall der Mauer lag Ostdeutschland vielmehr in Trümmern, und es herrschte hohe Arbeitslosigkeit und Kriminalität. Obwohl sich das Land seitdem enorm verbessert hat, herrscht weiterhin große Unzufriedenheit, auf die die AfD geschickt reagiert.

Radikale Standpunkte der AfD [03:34]
Sollte die AfD in Sachsen-Anhalt die Macht übernehmen, könnte dies weitreichende Folgen haben, da die Bundesländer in Deutschland über große Eigenzuständigkeiten verfügen (beispielsweise in den Bereichen Bildung und Subventionen). Die Partei will, dass vor jeder Schule eine deutsche Flagge weht und der Patriotismus gefördert wird [03:54]. Ulrike ist darüber erstaunt, da dies stark an die obligatorische Vaterlandsliebe erinnert, die den Einwohnern früher im kommunistischen Ostdeutschland aufgezwungen wurde.

Zudem will die AfD Fördermittel für Institutionen streichen, die sogenannte „undeutsche Kunst“ schaffen [05:42]. Ulrike zieht dabei die beängstigende Parallele zum Begriff „Entartete Kunst“ aus der Nazizeit. Außerdem will die Partei den Unterricht über den Holocaust reduzieren („ein bisschen weniger“) [06:16]. Außerdem möchte die Partei „kulturfremde“ Migranten am liebsten loswerden [06:05]. Ulrike weist auf die Unmachbarkeit und die Gefahren eines solchen Vorhabens hin, da beispielsweise ein Viertel aller Ärzte in Sachsen-Anhalt aus dem Ausland stammt.

Sorgen um die Staatssicherheit und russische Spionage [05:03]
Es besteht große Angst, dass die AfD (die als sehr „russlandfreundlich“ bekannt ist) mit einer absoluten Mehrheit Zugang zu geheimen Dokumenten der Geheimdienste erhält [06:35]. Die Befürchtung ist real, dass Staatsgeheimnisse auf diese Weise weitergegeben werden könnten.

Ulrike Nagel bij Goedemorgen Nederland over de Duitse verkiezingen in Sachsen-Anhalt
Ulrike Nagel bei „Goedemorgen Nederland“ über die deutschen Wahlen in Sachsen-Anhalt

Im weiteren Verlauf der Sendung berichtet Ulrike über die Entdeckung von „Abschussvorrichtungen“ (Röhren mit Feuerwerksraketen und Kupferdrähten), die dazu gedacht waren, Strommasten und -kabel zu sabotieren und so das Stromnetz lahmzulegen [12:36]. Diese wurden unter anderem in der Nähe der niederländischen Grenze (Dormagen) und im Osten (Brandenburg) gefunden.

Neben diesen Sabotageversuchen wurde bei Leipzig eine Drohne mit Sprengstoff entdeckt [13:39]. Der deutsche Bundeskanzler Scholz hat erstmals laut den Verdacht geäußert, dass Russland hinter solchen Anschlägen oder Anschlagsversuchen steckt. Ulrike merkt nüchtern an, dass die Sicherheitsdienste hier ständig wachsam sein müssen und dass russische Spionage in Ostdeutschland eigentlich schon seit dem Kalten Krieg ein Thema ist.