Da war er. Ein sonniger Sommersonntag. Endlich.
Nach all dem Schleppen, Auspacken, Nachdenken und Organisieren ließen wir alles hinter uns und machten uns an unsere „Das macht Spaß, also machen wir’s“-Liste. Das Leben genießen.
Erste Anlaufstelle: Mauerpark.

Ich wusste, dass dieser Ort ein Magnet ist. Für jedermann, aber vor allem für alle Touristen. Doch so voll hatte ich den Park noch nie gesehen. Ich war schon öfter dort, sogar ziemlich oft, aber damals lag dort immer nur eine einzige Decke mit einem Sonnenanbeter darauf.
Sonntags verwandelt sich diese Grünfläche in einen Spielplatz mit Flohmarkt und einer Open-Air-Karaoke-Bar. Dabei war dies früher einfach nur Brachland zwischen Prenzlauer Berg (Ost) und Wedding (West). Durchzogen von einer Mauer und für niemanden besonders interessant. Eigentlich hat es auch heute noch wenig mit einem klassischen Park zu tun. Es ist eher eine Durchgangsstraße zwischen zwei verschiedenen Stadtvierteln.
Mit einem Flohmarkt, durch den man kaum hindurchkommt. Zumindest nicht, wenn man mit einem 4-jährigen Jungen und einem Baby unterwegs ist. Und doch: Es gibt wunderschöne Dinge zu kaufen; wegen des Andrangs kam ich zwar nur bis zum dritten Stand, habe aber trotzdem ein wunderschönes Kleinod (=Schatz) aus der Unikatkantine ergattert.

Außerdem hört man dort alle Sprachen der Welt. Man kann im Café Mauersegler (auch im Winter geöffnet) eine Pause einlegen oder sich im Café Schönwetter in einem Strandkorb zurücklehnen.
Man muss allerdings Bargeld dabei haben. Cash. In der Tasche. Denn mit Karte bezahlen – das ist in Berlin alles andere als selbstverständlich. In sehr vielen Cafés kann man immer noch nur mit Münzen und Papiergeld bezahlen; deine Bankkarte ist dort kaum etwas wert. Und wenn man Geld abheben möchte – dann gibt es leider nur wenige Geldautomaten. Und dafür sehr viele Menschen, die einen brauchen. Es dauert also eine Weile, bis man sein Geld in Empfang nehmen kann.

Aber die Sonne hat heute alles wieder gutgemacht. Und der Roboter, der mit Luftdruck funktioniert. Zusammengebaut von einem genialen kleinen Mann, der ihn schon seit Jahren mit einer Fernbedienung zum Leben erweckt. Ein Spektakel für Erwachsene und Kinder – und dafür gibt man zu Recht ein bisschen Kleingeld extra aus.

Die Oderberger Straße liegt ein Stück weiter und ist mittlerweile ein Walhalla für Touristen, die in malerischen Cafés einen Milchkaffee trinken und Waffeln essen möchten. Vor ein paar Jahren lief ich hier noch zwischen den grauen Häusern umher. Mit Einschusslöchern. Mittlerweile strahlen hier rosa und hellgelb-weiß restaurierte klassische Gebäude; wunderschön, aber von der Geschichte ist kaum noch etwas zu sehen. Ein bisschen davon findet man vielleicht noch in den Retro-Möbelgeschäften wie dem VEB Orange, einer Abwandlung der alten volkseigenen Betriebe in der DDR. Und hier und da gibt es noch alte graue Gebäude, verfallen. Man muss sie genau betrachten, denn auch diese werden verschwinden.

Schließlich fuhren wir mit der Straßenbahn weiter. Zu einem unserer Lieblingsorte am Ufer der Spree: dem Monbijoupark. Ganz in der Nähe der großen Museen, unweit vieler netter Geschäfte – auch hier wimmelt es also nur so von Touristen. Aber die sind zurückhaltender. Ruhiger. Sie verhalten sich unauffällig. Sie gehen unter in der Menge der Tangotänzer, die jeden Sonntag in der Strandbar Mitte ihr „Tanzbein schwingen“.


Vor ein paar Jahren gab es hier noch einen richtigen Strand. Mit Sandkörnern zwischen den Zehen und Cocktails. Der Sand ist verschwunden; was ich zunächst sehr schade fand. Aber die Atmosphäre ist geblieben. Palmen, eine Tanzfläche, leckere Pizza aus dem Steinofen, Getränke, etwas weiter entfernt ein großer Spielplatz, ein öffentliches Schwimmbad für kleine Kinder, daneben ein Amphitheater, ein Basketballfeld, ein Fußballfeld und ein Beachvolleyballfeld. Alles nur eine Minute zu Fuß voneinander entfernt. Die S-Bahn fährt oben auf der Brücke hin und her – dazu gibt es einfach nichts mehr hinzuzufügen. Ultimativer Genuss. Mehr als das braucht man nicht.
Wir jedenfalls nicht.
Und unsere Kinder auch nicht. Die sind nach so vielen Eindrücken um 20 Uhr wie ein Stein eingeschlafen.
Warum sind wir eigentlich noch mal nach Berlin gezogen?
Wegen solcher Tage eben. Herrlich.


Ok, ok, we komen wel een keer langs… :-)
Ik ben een beetje jaloers.