Auch hier kommen wir nicht drum herum

Ja, auch hier kamen wir nicht drum herum.

650 Kilometer weiter weg zu wohnen bedeutet nicht, dass wir den wichtigsten Mann des Jahres verpassen müssen: Sinterklaas. Der scheint nämlich auch problemlos nach Berlin kommen zu können.

Ob er nun über die Dächer kam oder vielleicht einfach in den Zug stieg, oder ob es sich doch heimlich um einen verkleideten Niederländer handelte, der unglaublich gut schauspielert – das spielt glücklicherweise keine Rolle, denn mein Kind fragt noch nicht nach solchen Dingen.

Sinterklaas in Berlijn bij de Nederlandse school
Sinterklaas in Berlin an der niederländischen Schule

Fakt ist: Er kam sogar zweimal hierher, und damit waren es anstrengende, aber tolle Nikolauswochen mit Liedern, selbstgebastelten Mitren, Möhren im Schuh und Pfeffernüssen.

Sinterklaas bij de Nederlandse Ambassade in Berlijn
Sinterklaas in der niederländischen Botschaft in Berlin

Zunächst einmal wurde er in die niederländische Schule eingeladen. Mit Pieten und allem Drum und Dran, Liedern – ein Schulhof voller Schüler, Lehrerinnen und Lehrer. Und die hatten schon mindestens zwei Wochen im Voraus ausführlich über den Nikolaus gesprochen. Und über die „Sinterklaasjournaal“-Sendung; die wir uns anschließend jeden Abend über „Uitzending gemist“ ansahen.

Dann kam Freundin M. zu Besuch. Und die brachte eine CD mit Sinterklaas-Liedern mit. Das fand ich schön. Unser Sohn schlief daraufhin eine Woche lang jeden Abend zu diesen Liedern ein. Während sie aus dem alten schwarzen Radio mit CD-Player erklangen, prägte sich Max alle Texte ein und sang uns die Lieder tagsüber vor.

Sinterklaas op de Nederlandse ambassade

Nach dem Nikolausbesuch in der Schule stand noch der Nikolausbesuch in der niederländischen Botschaft auf dem Programm. Vielleicht ein bisschen zu viel des Guten, aber wir hatten uns nun einmal angemeldet und wollten daher hingehen. Die Botschaft liegt direkt am Ufer der Spree, und so kam derselbe Mann mit demselben Hut und demselben Mantel per Boot an. Auf der anderen Seite des Flusses fuhren zwei „Pieten“ in gelb-grünen Anzügen hin und her. Und alle Kinder fingen an zu schreien: „Hierher, ihr müsst hierherkommen! Auf die andere Seite!“ Ich fragte mich ernsthaft, was die Berliner wohl davon halten würden – zwei dieser Verrückten auf holländischen Fahrrädern, die einfach nur hin und her fahren. Was hätten sie wohl als Erklärung gegeben? „Ja, Herr, wir sind hier, um Geschenke zu verteilen. Für den Nikolaus! Sie wissen schon. Oh, wissen Sie das nicht?“

Nederlandse Ambassade Berlijn by Ulrike Nagel
Niederländische Botschaft Berlin von Ulrike Nagel

Unheimlich viele Pieten. Und Kinder-Pieten, besonders niedlich und eine großartige Erfindung. Denn selbst die ängstlichen Kinder haben keine Angst mehr, wenn auch kleine Pieten Süßigkeiten verteilen. Und der Bürgermeister? Den spielte der stellvertretende Botschafter. Ein netter Mann übrigens.

Drinnen Geschenke, Geschenke, Geschenke. Und dann schnell wieder nach Hause.

Und dann noch der Nikolausabend. Mit unglaublich vielen Geschenken, mehr als in den vergangenen Jahren.

Jetzt habe ich genug davon.

Auch hier ist er jetzt weg, zurück in die Niederlande. Spanien. Wo auch immer.

Die letzten Pfeffernüsse habe ich gerade in der Kindertagesstätte abgegeben. Dort können sie sie beruhigt naschen.

Über den Nikolaus haben sie dieses Jahr schon sehr viel gehört. Und jetzt lernen sie durch meine Tochter auch gleich, was „Trakteren“ bedeutet.

Pepernoten en rozijntjes