Der schäbige, geliebte Trabant – für immer von den deutschen Straßen verschwunden?

In Berlin sind alte Dieselautos verboten, aber der stinkende Trabant fährt in der Innenstadt einfach weiter herum. Sehen Sie sich den Beitrag von Ulrike Nagel für RTL Nieuws an.

Ulrike Nagel – RTL Nieuws – Verschwinden die Trabants aus der Stadt? – Redaktion und Kamera

Das kleine Auto ist nach wie vor der Stolz der Ostdeutschen. Die Frage ist, wie lange noch, denn mittlerweile mischt sich auch die Politik in die Diskussion ein.

Das Lenken fällt schwer, das Schalten ist mühsam. Die Karosserie besteht aus einer Mischung aus Baumwolle und Harz und fühlt sich ein bisschen wie harter Karton an. Kurz gesagt: null Komfort, aber er brachte einen immerhin ans Ziel.

Luxusprodukt bis 1989

„Wir nannten ihn ‚Rennpappe‘, eine Rennkiste aus Pappe“, erzählt Ulrike Nagel (40), die in der ehemaligen DDR geboren wurde. Als Kind saß sie oft auf dem Rücksitz. „Wir hatten einen weißen mit blauem Dach, den wir von der Oma übernommen hatten.“

Auch wenn er etwas schäbig aussieht, war der Trabant bis zum Fall der Mauer im November 1989 immer noch ein Luxusprodukt. Man musste kräftig dafür sparen und sehr lange darauf warten. Nach der Bestellung konnte es locker zehn Jahre dauern, bis man den Schlüssel bekam.

„Wir hatten nicht einmal ein Telefon“

Nagel: „Wir hatten zu Hause nicht einmal ein Telefon, da kann man sich vorstellen, wie etwas Besonderes ein Auto war.“ Ulrike war etwa acht Jahre alt, als bei ihren Eltern zum ersten Mal ein eigenes Auto vor der Tür stand.

Ulrike Nagel in 1988, ongeveer 9 jaar oud in DDR met Škoda
Ulrike Nagel im Jahr 1988, etwa 9 Jahre alt: „Leider habe ich kein Foto, auf dem ich mit unserem Trabant zu sehen bin. Damals haben wir nicht so viele Fotos gemacht. Das Auto auf dem Foto ist ein Škoda.“

Der Trabant fährt mittlerweile immer noch in Berlin herum. Es gibt zwar Liebhaber, aber vor allem sind es Touristen, die eine Runde drehen. Bei der Vermietungsfirma Trabi-Safari stehen 35 davon. Der Konkurrent hat sogar hundert.

Technik aus den 1960er-Jahren

Wenn man einsteigt, fühlt man sich ein bisschen in die Anfänge des Autofahrens zurückversetzt, während man an den Sehenswürdigkeiten Berlins vorbeituckert.

Unter der Motorhaube verbirgt sich ein Zweitaktmotor. Aus dem Auspuff steigen blaue Rauchschwaden auf – die Rückstände von verbranntem Öl und Benzin. Das ist Technik aus den 1960er Jahren. Eine Zeit, in der man sich noch keine Gedanken über CO₂- und Stickstoffemissionen machte.

Das sieht im Jahr 2019 ganz anders aus. Ein Berliner Stadtrat will dem umweltschädlichen Moped auf den Straßen ein Ende setzen. Seiner Meinung nach ist es nicht mehr zeitgemäß.

Ein hässliches Entlein?

Deutschland-Korrespondent Jeroen Akkermans räumt den Plänen, das Fahrzeug zu verbannen, ebenfalls kaum Chancen ein. Dafür sei das kleine Auto zu beliebt, meint er. Wir sehen ein hässliches Entlein, aber viele Einwohner sehen darin ein Prunkstück, ein lebendes Relikt der DDR, sagt Akkermans.

Lutz Nagel met Trabant
Ein Foto mit Ulrikes Vater aus dem Jahr 1991. Hinter dem gelben Trabant von Freunden steht der Trabant der Familie Nagel. Nach dem Fall der Mauer fuhren sie gemeinsam in den Urlaub nach Dänemark.

Als am 9. November 1989 die Mauer fiel, stiegen die Ostdeutschen massenhaft in ihre Trabants und überquerten in langen Schlangen die Grenze. Auf dem Weg in die Freiheit. Ulrike hat daher auch schöne Erinnerungen an ihren kleinen Begleiter. 1991 fuhren sie zum ersten Mal in den Urlaub ins Ausland. Mit dem Trabant auf der Fähre nach Dänemark.

„Nur noch ein paar“

Ulrike lebt, nachdem sie jahrelang in den Niederlanden gewohnt hatte, wieder in Berlin. Wenn es nach ihr ginge, würde der Trabi dort weiterhin durch die Straßen fahren. „Es gibt nur noch so wenige davon, und es werden auch keine neuen mehr gebaut.“