RTV Utrecht: 4 Millionen Euro für die Utrechter Forschung zur alten römischen Grenze

Die Einwohner von Utrecht können selbst einen Beitrag zu den in Kürze beginnenden Forschungen zum Limes leisten. Die Universität Utrecht hat 4 Millionen Euro bewilligt bekommen, um den Limes noch genauer zu kartieren. Dabei geht es um den Einfluss, den die nördliche Grenze des Römischen Reiches vor 2000 Jahren auf die Niederlande hatte, aber auch darum, was wir davon heute noch spüren.

Beitrag für das Fernsehen (RTV Utrecht), Fotos und Text von Ulrike Nagel.

Beitrag von Ulrike Nagel für RTV Utrecht: 4 Millionen Euro für die Utrechter Forschung zur alten römischen Grenze

Saskia Stevens ist Dozentin für Geschichte und römische Archäologie an der Universität Utrecht. Sie freut sich riesig über die hohe Fördersumme. „Diese vier Millionen Euro stammen aus der Nationalen Wissenschaftsagenda, einer Initiative, die Wissenschaft der Öffentlichkeit näherbringen soll. Diese Agenda wurde vor einigen Jahren auf der Grundlage von Fragen aller Niederländer ins Leben gerufen. Wir können nun mit einem ganzen Team von etwa zehn Personen noch besser ergründen, was genau nördlich und südlich des Limes geschah.“

Dies geschieht unter anderem durch die Analyse von Gegenständen aus dieser Zeit, beispielsweise mittels Isotopenuntersuchungen. Gefundene Zähne oder Knochen werden damit genauer untersucht. So lässt sich feststellen, wo sich die Menschen damals genau niedergelassen haben. Auch genetische Untersuchungen derselben Zähne und Knochen sind Teil des Projekts; auf diese Weise lässt sich ein genetisches Profil der Bewohner entlang des Limes erstellen.

Neue Untersuchungsmethoden

Eine weitere, völlig neue Technik ist eDNA, also Umwelt-DNA. Bislang ist diese Technik nur aus Untersuchungen von Abwasser bekannt, das auf Covid-19-Partikel untersucht wurde. Auch dies ist eine neue Technik aus den Naturwissenschaften, um die Auswirkungen des Limes auf die Kultur besser zu verstehen.

Saskia Stevens: „eDNA steht für Umwelt-DNA. In Umweltproben vom Limes können auch zahlreiche genetische Daten kodiert sein, sodass wir herausfinden können, welche Krankheiten sich rund um diese Grenze verbreitet haben. Es handelt sich um eine relativ neue Forschungsmethode; bisher hat nur die Universität in Kopenhagen sie bereits einmal angewendet, um Krankheiten wie die Cholera genauer zu untersuchen.“

Bürgerwissenschaft

Darüber hinaus werden alte archäologische Sammlungen und Ausgrabungen untersucht. Die kommunalen Depots sind beispielsweise voll mit Scherben oder Werkzeugen aus der Zeit vor 2000 Jahren, die Aufschluss über die Interaktion zwischen den Menschen jener Zeit geben können. Stevens: „Und wir werden mit ‚Citizen Science‘ arbeiten; Hobbyarchäologen und Einwohner von Utrecht, die selbst Fundstücke entdeckt haben – zum Beispiel mit einem Metalldetektor –, können ebenfalls einen Beitrag zur Forschung leisten. Letztendlich werden wir alles digitalisieren und der Öffentlichkeit zugänglich machen.“

Der Limes ist die nördliche Grenze des Römischen Reiches und verlief durch ganz Europa. Utrecht war innerhalb der Niederlande ein sehr strategischer Ort für die Römer: Dort, wo heute der Dom und die Domkirche stehen, befand sich damals ein römisches Fort, in dem 500 Soldaten stationiert waren.

RTV Utrecht: 4 miljoen euro voor Utrechts onderzoek naar oude Romeinse grens