RTV Utrecht: Streik im Regionalverkehr

Provinz Utrecht – Die Mitarbeiter des Nahverkehrs planen ab dem 6. Februar einen fünftägigen Streik in den gesamten Niederlanden. Die Gewerkschaften gehen davon aus, dass in dieser Woche kein einziger Bus fahren wird.

Ulrike Nagel gab im Studio in der Sendung UNieuws eine Erklärung ab.

00:00 RTV Utrecht
00:48 Ulrike Nagel
01:26 Lutz Kressin
02:21 Ulrike Nagel
03:19 Fred Kagie
03:46 Ulrike Nagel

Ulrike Nagel gaf toelichting in de studio in het programma UNieuws.
Ulrike Nagel im Studio von RTV Utrecht

Zusammenfassung dieses Gesprächs

Einführung zu den Streiks im Nahverkehr Seit Mai letzten Jahres führen Busfahrer, Straßenbahn- und Busfahrer sowie andere Mitarbeiter im Nahverkehr Arbeitskampfmaßnahmen durch [00:03]. Ab dem 6. Februar ist ein größerer Streik geplant, an dem sich neben den Fahrern und Schaffnern der FNV, die bisher gestreikt haben, auch die Gewerkschaft CNV beteiligen wird [00:11]. Anlass ist ein neuer Tarifvertrag, über den keine Einigung erzielt werden kann [00:25]. Die Gewerkschaft FNV hat heute mit Busfahrern in Oudewater beraten, woraus hervorging, dass eine Woche lang gestreikt werden soll [00:30]. Ulrike Nagel war bei diesen Beratungen anwesend [00:43].

Warum die Verhandlungen festgefahren sind

Die Verhandlungen sind festgefahren, weil Arbeitgeber und Arbeitnehmer völlig unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was angemessen ist [00:47].

  • Angebot der Arbeitgeber: Der Arbeitgeberverband des öffentlichen Nahverkehrs hat eine Lohnerhöhung von 8 % angeboten, was sie als viel betrachten [00:57]. Mit zusätzlichen Prozentsätzen für ältere Arbeitnehmer beläuft sich dies ihrer Meinung nach sogar auf 11 % [01:06].
  • Standpunkt der Arbeitnehmer: Busfahrer und FNV-Gewerkschaftsmitglieder halten dies für zu wenig und haben den Verhandlungstisch verlassen [01:04]. Sie sind bereits seit fast einem Jahr dabei und die Bereitschaft zu Aktionen wächst, vor allem weil die Arbeitgeber „arrogant Nein sagen” und den vorgeschlagenen Forderungen in keiner Weise entgegenkommen [01:23]. Ein Busfahrer betonte den Druck und die mangelnde Wertschätzung, insbesondere wenn abfällig über ihr MBO2-Niveau gesprochen wird [01:58].

Mehr als nur Lohn: Wertschätzung und Respekt

Für die Busfahrer geht es um viel mehr als nur um den Lohn [02:14].

  • Flexibilitätsklausel: Von den Arbeitnehmern wird viel Flexibilität erwartet, was bedeutet, dass sie beispielsweise um 5 Uhr morgens an einem anderen Ort als ihrem Wohnort anfangen müssen [02:22]. Dies erfordert Anpassungen wie den Besitz eines Autos und erschwert die Arbeit mit unregelmäßigen Schichten [02:36].
  • Mangelnde Wertschätzung und Respekt: Den Fahrern fehlt es an Wertschätzung und Respekt, was die Arbeitgeber nicht anerkennen [02:43]. Die Arbeitgeber behaupten, dass sie durchaus Respekt vor der Berufsgruppe haben und die Busfahrer als Fachkräfte betrachten [02:59].

Finanzielle Dilemmata und Uneinigkeit

Die Arbeitgeber behaupten, dass die Branche nicht mehr als das derzeitige Angebot bieten kann [03:10].

  • Begrenzte finanzielle Mittel: Sie behaupten, dass die Branche nicht über mehr Geld verfügt und dass sie bereits mehr gegeben haben, als sie besitzen [03:16]. Nur 5 % der Lohnkosten werden vom Staat kompensiert, der Rest muss aus eigener Tasche bezahlt werden [03:22].
  • Auswirkungen von COVID-19: COVID-19 hat den Sektor schwer getroffen, da 15 % der Reisenden noch nicht zurückgekehrt sind, was ein großes finanzielles Problem darstellt [03:38].
  • Arbeitnehmer bestreiten finanzielle Notlage: Die Arbeitnehmer und die Gewerkschaft FNV bestreiten diese finanzielle Notlage [03:48]. Sie argumentieren, dass die öffentlichen Verkehrsunternehmen über finanzkräftige Anteilseigner (große deutsche und französische Unternehmen) verfügen und somit durchaus genügend Geld vorhanden ist [03:54].

Die Parteien finden keinen gemeinsamen Nenner [04:07].

Wie geht es nun weiter?

Die Arbeitgeberorganisation hat erklärt, dass sie dem Druck nicht nachgeben und nicht erneut an den Verhandlungstisch zurückkehren werde [04:12]. Das Angebot liege auf dem Tisch, und die Arbeitnehmer sollten es akzeptieren [04:23]. Die Arbeitnehmer hingegen sagen, dass sie den Streik fortsetzen werden [04:29]. Es bleibt also abzuwarten, wie dies enden wird [04:34].

Ulrike Nagel in de studio van RTV Utrecht
Ulrike Nagel im Studio von RTV Utrecht

Hintergrund

Letzte Woche streikte auch schon der Nahverkehr. Busfahrer und Schaffner wollen einen besseren Tarifvertrag. Da noch immer keine Einigung erzielt wurde, wurden bereits neue Streiks angekündigt. Die Gewerkschaft FNV hat heute mit Busfahrern in Austerlitz beraten und beschlossen, dass Anfang Februar fünf Tage lang gestreikt wird. Auch die Gewerkschaft CNV hat sich diesmal den Streiks angeschlossen.

Laut Lutz Kai Kressin von der Gewerkschaft FNV ist die von den Arbeitgebern vorgeschlagene Lohnerhöhung von 8 Prozent unzureichend. „Das bedeutet einen Kaufkraftverlust von 10 Prozent, also immer noch nicht viel. Außerdem wird wenig gegen die Arbeitsbelastung unternommen, und das wollen wir ändern.”

Bussen in Utrecht
Busse in Utrecht

„8 Prozent sind schon viel mehr als üblich“

Die Arbeitgeber halten 8 Prozent für „bereits viel mehr als üblich“. Fred Kagie vom Verband der Arbeitgeber im öffentlichen Verkehr (VWOV) sagt: „In den Niederlanden werden durchschnittlich 6 Prozent Lohnerhöhung angeboten. Darüber hinaus bieten wir noch eine Regelung für ältere Arbeitnehmer, die 2 Prozent kostet, und einige andere Dinge, sodass wir insgesamt auf 11 Prozent kommen. Außerdem können wir einfach nicht mehr bezahlen. Wir erhalten 5 Prozent der Lohnkosten von der Regierung erstattet, also liegen wir bereits darüber.”

Moniek van Bennekom ist Busfahrerin und fährt auf allen Linien in Utrecht. Als Freiwillige ist sie auch an den geplanten Streiks beteiligt. „Der Druck ist zu hoch. Wir müssen sehr flexibel sein, und dann kommt wieder die Frage: Kannst du noch dies, kannst du noch das? Neue Fahrer kündigen oft schon nach einem Jahr. Und dann gibt es zum Beispiel noch die Flexibilitätsklausel. Auf freiwilliger Basis muss man mal von einem Standort aus starten und an einem anderen Tag von einem anderen Standort. Dann muss man plötzlich um 5 Uhr morgens in Wijk bij Duurstede anfangen, obwohl man extra in die Stadt gezogen ist. Dann muss man sich zum Beispiel wieder ein Auto kaufen. All diese kleinen Dinge zusammen sorgen dafür, dass man am Ende des Tages einfach kaputt ist. Und mir fehlt auch der Respekt unseres Arbeitgebers.”

Ulrike Nagel in de studio van RTV Utrecht
Ulrike Nagel im Studio von RTV Utrecht

Wir haben mehr als ein angemessenes Angebot gemacht – Fred Kagie im Namen der Arbeitgeber

Fred Kagie teilt diese Kritik nicht: „Das kann ich nicht nachvollziehen. Natürlich gibt es Arbeitsdruck, auch im öffentlichen Nahverkehr gibt es Personalmangel. Es gibt Fehlzeiten aufgrund von Krankheit, aber es gibt auch sehr viel Respekt für die Busfahrer. Es ist ein Beruf, auf den die Fahrer außerordentlich stolz sind.“

Der neue Streik wird wieder für viel Ärger sorgen. „Wir werden sehen, wo die Busfahrer letztendlich eine Grenze für sich selbst ziehen. Was wir nicht tun werden, ist, unter diesem Druck wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Wir haben mehr als ein angemessenes Angebot gemacht. Wir können uns einfach nichts anderes leisten. Wir können es nicht und wir werden es nicht tun. Das klingt vielleicht dumm, aber so ist es nun einmal.“

Verhandlungen festgefahren

Die Verhandlungen scheinen derzeit festgefahren zu sein. Nach Angaben der Gewerkschaften liegt die Krankenquote unter den Fahrern mittlerweile bei etwa 20 Prozent. Aufgrund der zunehmenden Arbeitsbelastung fahren viele Busse und Straßenbahnen nicht pünktlich, was wiederum zu mehr Aggressionen seitens der Fahrgäste führt.

Lutz Kressin von der Gewerkschaft FNV: „Hinter den Verkehrsunternehmen stehen große Aktionäre, französische und deutsche Unternehmen, also ist Geld vorhanden. Und auch die Regierung spielt hier eine Rolle. Anscheinend sind sie nicht bereit, das Geld dafür auszugeben. Aber je arroganter die Arbeitgeber „Nein“ sagen, desto größer wird die Bereitschaft der Fahrer zu Aktionen. Von den Menschen wird noch mehr Flexibilität verlangt, und das akzeptieren sie nicht. Wir wollen eine Entschädigung und wir wollen gesund ins Ziel kommen.”

Die Gewerkschaften haben ein Ultimatum bis kommenden Montag gestellt. Wenn die Arbeitgeber bis 12 Uhr mittags nicht auf die Forderungen der Gewerkschaften eingegangen sind, werden die Aktionen fortgesetzt, sagen die Gewerkschaften.