Ulrike war zu Gast bei „Tijd voor Max” und hat mit den anderen Gästen und Moderatorin Martine van Os über die deutschen Bundestagswahlen gesprochen.
Zu Gast: Ulrike Nagel, Leendert de Ridder, Henriëtte Tol, Iris de Graaf, Yana Popova, Muza Valiaddinzade, Josine Droogendijk.
Zusammenfassung des Gesprächs ↴
Deutsche Bundestagswahl [00:16] Deutschland hat gestern einen neuen Bundestag gewählt. Nach den vorläufigen Ergebnissen wurde die CDU/CSU mit fast 28,5 % der Stimmen stärkste Partei [00:16].
Urike Nagel über das Ergebnis [00:29] Ulrike Nagel war von dem Ergebnis nicht wirklich überrascht, da die Prognosen und Umfragen nahe am tatsächlichen Ergebnis lagen [00:33]. Sie war allerdings gespannt, ob das Ergebnis ganz anders ausfallen würde, vor allem weil in den Niederlanden darüber spekuliert wurde, dass die AfD die größte Partei werden könnte [00:43]. In Deutschland war das kein wirkliches Thema [00:48].
Die „gruselige” Karte Deutschlands [00:54] Nagel war schockiert von der Wahlkarte Deutschlands, die sie als „ziemlich gruselig” empfindet [00:59]. Der Osten Deutschlands ist fast komplett blau (die Farbe der AfD), während der Westen fast schwarz ist (die Farbe der CDU) [01:05]. Das erinnert an die Situation früher, als ob die Grenze noch existieren würde [01:18]. Vor allem im Osten, nahe der polnischen Grenze, stimmten manchmal bis zu 35 % für die AfD [01:29].
Gründe für den Aufstieg der AfD [01:40] Es ist nicht einfach zu erklären, warum die AfD im Osten so beliebt ist [01:40]. Viele Leute in diesen Regionen sind von den Mitte-Parteien enttäuscht und wollen Veränderung [01:52]. Historiker kritisieren sie, indem sie sagen, dass sie keine Ahnung mehr davon haben, wie es vor 35 Jahren im Land aussah, aber die Leute erinnern sich nur an die guten Dinge aus dem Osten [02:06]. Die AfD nutzt dieses Gefühl geschickt aus [02:20]. Die Mitte-Parteien haben den Kontakt zu den Bürgern verloren, vor allem auf lokaler Ebene ist die Distanz ziemlich groß, anders als in den Niederlanden, wo die Politiker näher an den Menschen sind [02:24].
Geschichte und Entwicklung in Ostdeutschland [03:03] 1990 wählten alle Ostdeutschen die CDU, weil sie zum Westen gehören wollten [03:03]. In den ersten Jahren waren sie im „Überlebensmodus”, in dem sie überleben und von einem sozialistischen zu einem marktwirtschaftlichen System wechseln mussten [03:16]. Sie merkten schnell, dass ihre Denkweise und ihre Ausbildung kaum berücksichtigt wurden [03:39].
Hohe Wahlbeteiligung und Migration als Thema [04:01] Die hohe Wahlbeteiligung von 83 % ist die höchste seit März 1990 [04:01]. Das zeigt, dass die Menschen es für enorm wichtig halten, dass sich etwas ändert [04:08]. Migration ist ein wichtiges Thema für die AfD [04:13]. Es ist auffällig, dass Migration gerade im Osten so ein großes Thema ist, obwohl dort die wenigsten Migranten leben [04:26]. Ostdeutschland war früher eine homogene Gruppe; Ausländer, wie zum Beispiel Vietnamesen, lebten separat [04:31]. Die Angst vor dem Unbekannten spielt eine Rolle [04:50]. Berlin wählt ganz anders, viel linker, was eine Überraschung war [04:59].
Friedrich Merz und die Zukunft [05:19] Friedrich Merz, der Parteivorsitzende der CDU, strahlt Tatkraft und Elan aus, im Gegensatz zu Scholz und Merkel, die eher zurückhaltend und bescheiden waren [05:19]. Die Leute in Deutschland wollen jemanden, der was reißt [06:08]. Merz hofft, bis Ostern eine neue Regierung zu haben, auch wegen der internationalen Lage nach der Sicherheitskonferenz in München, wo Amerika sich aus Europa zurückzieht [06:21]. Merz hat sich für eine stärkere Rolle Deutschlands in der EU ausgesprochen [07:02].
Wirtschaftliche Folgen für die Niederlande [07:27] Das Ergebnis der deutschen Wahlen wird sich vor allem wirtschaftlich in den Niederlanden bemerkbar machen [07:27]. Deutschland ist der größte Handelspartner der Niederlande (100 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr) [07:30]. Der Handel wird nicht direkt beeinflusst werden [07:43]. Deutschland hat aber riesige wirtschaftliche Probleme; die Industrie und die Autoindustrie haben es wegen einer konservativen Herangehensweise schwer [07:48]. Die Niederlande können Deutschland mit ihrer Flexibilität und schnellen Herangehensweise helfen, was eine super Kombination sein kann [08:09]. Deutschland muss investieren, hat aber noch keine konkreten Aussagen dazu gemacht [08:44].