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RTV Utrecht: Neues Asylbewerberzentrum in Zeist eröffnet
Mit einer Verzögerung von einem halben Jahr wird heute Nachmittag das neue Asylbewerberzentrum in Kamp van Zeist eröffnet. Die 200 Asylbewerber aus der benachbarten Notunterkunft ziehen dann in ein neues Gebäude auf dem Gelände um, das mehr Privatsphäre bietet. Darüber hinaus gibt es Platz für weitere 200 neue Asylbewerber, die unter anderem aus dem Anmeldezentrum Ter Apel in Groningen verlegt werden.
Ulrike Nagel war bei der offiziellen Eröffnung dabei und berichtete im Studio in der Sendung UNieuws.
00:00 RTV Utrecht, Rob van Dijk 00:38 Ulrike Nagel 01:29 Beitrag AZC Zeist 02:33 Rob van Dijk 02:44 Ulrike Nagel 03:18 Koos Janssen 04:15 Ulrike Nagel
Ulrike Nagel gibt Erläuterungen im Studio von RTV Utrecht.
Der Bürgermeister von Zeist, Koos Janssen, ist einer der ersten, der eine Führung erhält. Trotz aller Vorbereitungen und Mühen, die dies für die Gemeinde mit sich bringt, sieht er das Glas stets als halb voll an. „Wir haben uns darauf gefreut, denn wir hatten nur die Notunterkunft nebenan. Es ist sehr schön, dass diese durch ein Asylbewerberzentrum ersetzt wird. Das ist zwar immer noch spartanisch, bietet aber mehr Komfort als die Notunterkunft.“
In den weißen Pavillons auf dem ehemaligen Militärgelände sind die Schlafsäle nur durch Vorhänge voneinander getrennt, im neuen Komplex gibt es echte Wände und Türen. Koos Janssen: „Die Menschen werden mehr Privatsphäre haben, Familien können zusammenleben. Im Gebäude wurde eine Atmosphäre geschaffen, mit Farben, die mit den Ländern, aus denen die Menschen kommen, harmonieren. Das wurde gut durchdacht. Bessere Böden, Kochgelegenheiten pro Abteilung. Ruhe bei den Menschen bringt Gutes ins Leben, bringt Ruhe in die Nachbarschaft, Ruhe bei den Betreuern.“
Ein Asylbewerberheim für 5 Jahre
Die Asylsuchenden können fünf Jahre lang in dem neuen Komplex wohnen. Es ist ein großes Gelände, derzeit noch grau und trist, aber hoffentlich bald mit etwas Platz für Grünflächen. „Wir brauchen diesen Lebensraum auch“, sagt der Bürgermeister, während er durch die Pfützen läuft, denn die Wege sind gerade erst angelegt worden und noch nicht ganz fertig. „Die Grundschule steht dort drüben, die ersten Kinder hatten bereits letzten Donnerstag Unterricht. Und es wird noch eine Kindertagesstätte geben, einen Fahrradabstellplatz, einen Spielplatz im Freien, also wird dieser Platz auch gebraucht.“
An der Schule geht er sofort zum Fenster und unterhält sich mit den Lehrern. Diese haben bereits begeistert angefangen. Etwas, das auch Koos Janssen erkennt. „Was sage ich Bürgermeistern, die nicht mehr so optimistisch sind? Dass man damit nicht weiterkommt. Das Problem wird nicht gelöst, wenn man weiterhin Barrieren errichtet. Man muss es einfach tun, mit gutem Beispiel vorangehen.”
Ein geborener Optimist als Bürgermeister
Koos Janssen bleibt trotz aller Hindernisse ziemlich optimistisch. Menschen in Not aufnehmen – das muss man einfach tun, findet er. „Wir können nicht die ganze Welt retten, aber wir können unsere eigene Menschlichkeit retten, und dafür gibt es in der Politik und in der Gesellschaft große Unterstützung.“
Wenn Anwohner dennoch murren, spricht er mit ihnen und stellt fest, dass vieles möglich ist. Außerdem hat er immer ein offenes Ohr. Zum Beispiel für die Probleme von Wohnungssuchenden. „Die Aufnahme von Asylbewerbern bedeutet nicht, dass wir nichts für unsere eigenen Einwohner tun. So haben wir beispielsweise eine Politik formuliert, um Wohnungssuchenden in unserer eigenen Region zu helfen, das nennt man beschleunigte Wohnungsabgabe. Wir bauen Büros zu Wohnungen um, wir arbeiten an flexiblen Wohnungen, Zwischenunterkünften, Übergangswohnungen, was auch immer. Das eine muss nicht auf Kosten des anderen gehen.“
Koos Janssen bleibt trotz aller Hindernisse recht optimistisch.
„Keine Begrenzung der Kapazität“
Neben den 400 Asylbewerbern, die hier leben werden, nimmt die Gemeinde auch 300 Menschen aus Afghanistan in Huis ter Heide auf, sowie 300 Ukrainer. In diesem Jahr erwartet die Niederlande weitere 70.000 Flüchtlinge. Aber auch das sieht Koos Janssen positiv: „Wenn man Schulter an Schulter steht, kann man die Welt bewegen, und dann gibt es keine Grenzen für die Kapazität.”