Journalistin | Redakteurin | Moderatorin | Deutschland-Expertin / Korrespondent | in Hilversum & Berlin
Ulrike auf Radio 1 über den echten Ostmark-Raub
Nach dem Fall der Berliner Mauer musste die Ostmark gegen Westmark getauscht werden. Die Banktresore waren plötzlich voll mit wertlosem Geld. Das Geld wurde in einer alten Mine entsorgt. Jahre später stellte sich heraus, dass Geld gestohlen worden war. Der Film „Zwei zu eins” basiert auf dieser wahren Geschichte. Die Deutschlandkennerin Ulrike Nagel, die selbst hinter der Mauer aufgewachsen ist, erklärt in „De Nieuws BV”, wie es dazu kam und warum man wertloses Geld trotzdem stehlen möchte.
Zeitstempel
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00:00 Radio 1, Natasja Gibbs 00:23 Ausschnitt 01:15 Ulrike Nagel
Zusammenfassung
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Einführung zum Film „Zwei zu Eins” [00:00] Morgen läuft der Film „Zwei zu Eins” im Kino. Der Film spielt 1990, kurz nach dem Fall der Berliner Mauer. Mit dem Ende der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) mussten die Ostmark gegen Westmark getauscht werden [00:07]. Milliarden wertloser Banknoten blieben in den Banktresoren zurück. Der Film erzählt die Geschichte einer Gruppe von Freunden, die beschließt, dieses Geld zu klauen [00:13].
Gespräch mit Ulrike Nagel, Deutschland-Expertin [00:49] Ulrike Nagel, die selbst hinter der Berliner Mauer aufgewachsen ist, redet über die wahre Geschichte hinter dem Film und warum jemand wertloses Geld stehlen sollte [00:50]. Sie erzählt, dass die 90er Jahre eine chaotische Zeit waren [01:02]. Als 11-Jährige im Jahr 1990 hat sie von dem Chaos nicht viel mitbekommen, sondern war vor allem mit Büchern und Produkten im Supermarkt beschäftigt [01:15]. Es gab viele neue Bücher, darunter amerikanische, englische und westdeutsche [01:31]. Nagels Mutter beschrieb die zwei Jahre nach dem Fall der Mauer als „totales Chaos”, in denen man herausfinden musste, wie man vom Kommunismus/Sozialismus zu einem völlig anderen System übergehen konnte [02:00].
Einführung der D-Mark und der Spruch „Kommt die D-Mark, bleiben wir hier” [02:31] Im Juli 1990 wurde die D-Mark in Ostdeutschland eingeführt [02:31]. Die Leute wollten unbedingt das westdeutsche Geld. Es gab einen Spruch: „Kommt die D-Mark, bleiben wir hier, kommt sie nicht, gehen wir zu ihr” [02:46], was so viel bedeutet wie „Wenn die Mark zu uns kommt, bleiben wir hier, aber wenn sie nicht kommt, gehen wir weg”. Das passierte auch oft nach 1989; viele Ostdeutsche zogen in den Westen [02:56]. Der Westen hatte dadurch Probleme mit überfüllten Notunterkünften [03:07]. Deshalb wollte man dafür sorgen, dass die Ostdeutschen in ihrem eigenen Land blieben und ihre eigene Währung behielten, obwohl sie gerne das westdeutsche Geld haben wollten [03:25].
Die Währungsunion und die Ostmark [03:34] Der Übergang von der Ostmark zur D-Mark wurde schnell beschlossen [03:34]. Im März desselben Jahres fanden bereits Wahlen statt, und alles ging viel schneller als erwartet, auch wegen des Drucks der Bevölkerung [03:39]. Viele Ostdeutsche wählten die CDU von Helmuth Kohl, der die Länder so schnell wie möglich wiedervereinigen wollte [03:55]. So wurde auch die Währungsunion schnell eingeführt [04:12].
Das „wertlose” Geld und der Raub [04:15] Die Banktresore waren voll mit Milliarden wertloser Ostmark-Scheine. Man dachte sogar darüber nach, das Geld zu vergraben [04:22]. Die Münzen konnten noch ein Jahr lang benutzt werden, und das Geld hatte für viele Menschen einen ideellen Wert [04:32]. Die Staatsbank hatte jedoch keinen Platz für die neue D-Mark, also musste das alte Geld weg [05:01]. Nach einigen Auktionen wurden 300 Tonnen Geld in einem alten, stillgelegten Bergwerk bei Hübbarstadt untergebracht, das während des Zweiten Weltkriegs von KZ-Häftlingen gebaut worden war [05:13]. Man dachte, dass das Geld dort sicher sein und verrotten würde, da es 60 Meter tief lag und nur Luftschächte hatte [05:54].
Die Geschichte im Film und die Realität [06:03] Der Film zeigt eine Gruppe von Freunden, die im Juli 1990 in die Luftschächte kriechen, um das Geld zu klauen, solange es noch in D-Mark umgetauscht werden konnte. In Wirklichkeit wurde zwar tatsächlich in die Mine eingebrochen, aber erst 10 Jahre später, als das Geld nicht mehr umgetauscht werden konnte [06:37]. Der Film ist „absurd” und laut Nagel „nicht mega gut” [06:48]. Für Niederländer ist er schwer zu verstehen, weil viel Kontext fehlt [06:56]. Die Diebe verkaufen gestohlene Waren für D-Mark an andere, weil westdeutsche Vertreter damals von Tür zu Tür gingen, um Staubsauger und Mikrowellen zu verkaufen, die die Ostdeutschen gerne haben wollten [07:17].
Die idealistischen Diebe [08:26] Im Film sehen sich die Diebe nicht als Kriminelle, sondern wollen Gerechtigkeit [08:26]. Sie argumentieren, dass das Geld dem Staat gehörte und in der DDR alles, was dem Staat gehörte, „Volkseigentum” war [08:34]. Wenn also die Staatsbank und das Geld dem Volk gehören, dann gehört das Geld im Prinzip auch ihnen [08:53]. Sie mobilisieren die gesamte Wohnanlage, in der sie leben, um mitzumachen [09:02]. Diese idealistische, ostdeutsche Denkweise entspricht laut Nagel nicht ganz der Realität [09:08]. Ihrer Meinung nach waren die Ostdeutschen zwar sehr ehrliche Menschen, aber auch naiv und leicht zu täuschen, weil sie die Marktwirtschaft nicht kannten [09:16]. Sie hatten ihre Lebenserfahrung in einem anderen System gesammelt, mit einer Planwirtschaft und ohne Gewinnstreben [09:30]. Deshalb beschließen sie, alles, was sie tun, miteinander zu teilen, und wollen ein lokales Unternehmen aufkaufen, das sonst zu verschwinden droht – eine Art Sozialismus innerhalb des Kapitalismus [09:44].
Hintergrund
Hintergrund
Handlung
Im Sommer 1990, als die Ostdeutschen nur sechs Tage Zeit haben, um ihre Ostmarken in Westmark umzutauschen, beschließen die Jugendfreunde und Liebenden Maren, Robert und Volker, ein Vermögen an fast wertlosem Geld aus einem unterirdischen Bunker zu stehlen. Zusammen mit Familie, Freunden und Nachbarn entwickeln sie einen kreativen Plan, um das Geld so schnell wie möglich in wertvolle Gegenstände umzuwandeln und so den Kapitalisten ein Schnippchen zu schlagen.
Regisseurin Natja Brunckhorst bringt mit „Zwei zu eins“ eine lockere DDR-Komödie raus, die auf einer wahren Geschichte basiert. Mit einer deutschen Starbesetzung, darunter Sandra Hüller („Anatomy of a Fall“), Max Riemelt („Sense8“) und Ronald Zehrfeld („Phoenix“), ist es eine Geschichte über Liebe und Loyalität, über Geld und Gerechtigkeit. Der Film zeigt eine nostalgische Sehnsucht nach der alten DDR, gemischt mit dem fröhlich-verrückten Chaos einer Welt im Wandel.
Geld aus einem Bunker
Der neue Film Zwei zu eins ist eine romantische Komödie, die vor dem Hintergrund einer verrückten, aber wahren Geschichte spielt. 1990, nach dem Fall der Berliner Mauer, hatte die ostdeutsche Regierung ein Problem: Was sollte mit all dem alten Papiergeld geschehen, das auf einen Schlag wertlos geworden war? Verbrennen war zu teuer, Schreddern zu zeitaufwendig. Also hat man beschlossen, die Scheine einfach zu lagern – tief unter der Erde, in einer verlassenen Fabrik in Halberstadt, in der Hoffnung, dass sie von selbst verrotten würden.
Aber es kam anders. In den folgenden Jahren tauchte auffallend viel ostdeutsches Geld in der Umgebung auf – darunter auch 200- und 500-Mark-Scheine, die offiziell nie in Umlauf gebracht worden waren. Als man zehn Jahre später das Lager inspizierte, stellte man fest, dass der Zugang aufgebrochen war. Und von Verrottung? Keine Spur.
Regisseurin und Drehbuchautorin Natja Brunckhorst nimmt diese mysteriöse Geschichte als Ausgangspunkt und lässt ihrer Fantasie freien Lauf. In „Zwei zu eins“ begleiten wir drei Jugendfreunde aus Halberstadt, die sich total langweilen und beschließen, zu untersuchen, was sich hinter den geheimen Transporten zur alten Fabrik verbirgt. Was sie entdecken: einen versteckten Geldschatz – und eine Chance, ihr langweiliges Leben zu ändern. Was folgt, ist ein leichtfüßiger Betrug, bei dem die ganze Nachbarschaft mit einbezogen wird, mit cleveren Tricks und Gesetzeslücken.
De Nieuws BV ist eine Nachrichtensendung von BNNVARA, die werktags von 12 bis 14 Uhr auf NPO Radio 1 ausgestrahlt wird.
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