Wir sind schon wieder ein gutes Stück weitergekommen.
Die Zeit rast dahin, wir versuchen, Schritt zu halten, und legen einen kleinen Sprint ein.
Meine Güte, wo bleiben nur die Tage, Wochen, Monate? Ich habe wirklich keine Ahnung.
Gerade noch war Sommer, dann waren die Blätter plötzlich orange, und inzwischen liegen die Straßen und Parks voller Laub, das gerade noch an den Bäumen hing.
Und wir beschäftigen uns mit Schulen.

Als wir noch im Achterhoek lebten, stand dieses Thema bereits einmal auf der Tagesordnung. Hier haben wir noch zwei Jahre Aufschub, denn in Deutschland kommen Kinder erst mit 6 Jahren in die Schule.
30. August 2014 – das wird der Tag sein, an dem Max (zusammen mit Tausenden anderen Berliner Kindern) mit einer Schultüte auf dem Schulhof steht und mit seiner ganzen Familie feiern darf, denn die „Einschulung“ wird hier ziemlich ernst genommen, und da darf man in Sachen Geschenke und Feierlichkeiten richtig auf den Putz hauen.
Welcher Schulhof es sein wird, wissen wir erst im Mai – denn die richtige Schule zu finden, ist hier gar nicht so einfach.
Das deutsche Bildungssystem ist von Natur aus auf den Erwerb von Wissen ausgerichtet. Buchstaben, Zahlen, Lesen, Rechnen, ein bisschen Experimentieren mit naturwissenschaftlichen Dingen und gute Noten im Zeugnis – das ist mehr als wünschenswert, findet man hier.

Im Jahr 2013 sind immer mehr deutsche Eltern der Meinung, dass diese Art der Grundschulbildung nicht mehr zu ihren Kindern passt. Und da die meisten öffentlichen Grundschulen noch recht altmodisch sind und sich am klassischen „vor der Klasse stehen und einen Monolog halten“ wenig geändert hat, weichen immer mehr Eltern auf Schulen aus, die anders vorgehen.
Waldorfschulen.
Montessori-Schulen.
Evangelische (protestantische) Schulen.
Katholische Schulen.
Internationale Schulen.
Demokratische Schulen (ja, wirklich)….
Diese Liste könnte ich noch fortsetzen, wäre da nicht die Tatsache, dass auch ich nicht alle Schulformen kenne, die es sonst noch so gibt.

Die Zahl der privaten Grundschulen in Berlin wächst. Und das liegt vor allem daran, dass diese Schulen stärker auf das Kind als Individuum ausgerichtet sind. Sie achten eher auf Talente und Stärken als auf Schwächen. Und sie legen Wert auf das Gemeinschaftsgefühl in der Schule. Dass man gemeinsam ein eng verbundenes Team bildet, füreinander einsteht und den anderen respektiert. Kurz gesagt: Schulen, die emotionale und soziale Aspekte berücksichtigen, anstatt nur Mathematik- oder Physikunterricht zu erteilen.
Etwas, das niederländische Grundschulen meiner Meinung nach schon lange verstanden haben. Der Grundschulunterricht ist insgesamt bereits individueller geworden; die Grundschule um die Ecke ist in der Regel gut, finden viele niederländische Eltern.
Das sehen die Leute hier anders.
Und so gibt es einen regelrechten Ansturm auf die Schulen, die anders vorgehen.
Um an der Schule deiner Wahl aufgenommen zu werden, musst du daher eine Art Wettlauf durchstehen. Das Ausfüllen des Anmeldeformulars reicht nicht aus. Man muss zumindest ein Begleitschreiben verfassen, in dem man darlegt, warum gerade DU und warum gerade DEIN Kind auf diese Schule gehen soll. Und warum man das pädagogische Konzept genau dieser Schule so gut findet. Ohne gut durchdachte Argumente kommt man hier nicht weiter.
Noch besser: Vorbeischauen. Lächeln. Sich von Freunden aus der Nachbarschaft vorstellen lassen. Und dann, wenn man trotzdem nicht zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wurde, noch einen Brief schreiben.
Die Stadt ist wohl zu groß, jeder ist auf der Suche nach den begehrten, knappen Plätzen.
Wenn die „normalen“ Grundschulen für die besser ausgebildete Bevölkerungsgruppe nicht mehr ausreichen, muss man also miteinander um die besten Plätze konkurrieren.
Das ergibt überhaupt keinen Sinn.

Und doch machen wir mit, denn ja: Auch wir wollen eine gute Bildung für unser Kind. Wenn das die (ungeschriebenen) Regeln sind, dann muss es wohl so sein.
Erst im Mai erfahren wir, wie es ausgeht. Die „normale“ Grundschule um die Ecke, von der uns zahlreiche Freunde abraten. Die etwas bessere Schule auf der anderen Straßenseite mit dem schönen Schulhof. Oder die Privatschule, von der alle in unserer Nachbarschaft so schwärmen.
Wir haben beschlossen, uns nicht so viele Gedanken zu machen wie die meisten Deutschen.
Wie es letztendlich an all diesen Schulen zugeht, werden wir ohnehin erst nächstes Jahr merken.
Wir nehmen vor allem eine ganz typisch niederländische Haltung ein: Es wird schon alles gut werden.

