NOS: Ausstellung zeigt, wie das Leben mit der Berliner Mauer war

Vor 30 Jahren fiel in Berlin die Mauer, was auch das Ende der DDR einläutete. In Deutschland wird dies in diesem Jahr auf verschiedene Weise gefeiert. Eine Ausstellung befasst sich mit der Frage: Wie sah eigentlich das tägliche Leben in dieser sozialistischen Diktatur aus? Fazit: Es war nicht nur Elend.

Hören Sie sich den Bericht von Judith van de Hulsbeek mit Ulrike Nagel an.

Zusammenfassung des Gesprächs ↴

Das Transkript bezieht sich auf einen Radiobeitrag der Korrespondentin Judith van de Hulsbeek zum 30. Jahrestag des Falls der Mauer und des Endes der DDR. Der Beitrag befasst sich mit dem Alltag in der sozialistischen Diktatur, der laut einer Ausstellung in Berlin „nicht nur Elend” war.

Van de Hulsbeek besucht die Ausstellung mit zwei Berliner „Ossis” (Ostdeutschen): Ulrike Nagel und ihrer Mutter Susanne Nagel.

Das Leben in Ost-Berlin

  • Wohnen und Arbeiten: Susanne und Ulrike lebten im Neubaugebiet Ahrensfelde, einem typischen Plattenbaugebiet (Wohnblocks aus Betonelementen). Susanne arbeitete in der Nähe des Brandenburger Tors und blickte auf einen Grenzposten.
  • Die Mauer: Die Mauer war für Susanne allgegenwärtig und ein Teil ihres gesamten Lebens, aber nichts, worüber sie täglich nachdachte. Sie fand das nicht gut, unternahm aber nichts, weil sie kein „politischer Mensch” war und die Unterdrückung und der Widerstand eher im Untergrund stattfanden.
  • Jugend: Ulrike, die fließend Niederländisch spricht, war zehn Jahre alt, als die Mauer fiel. Sie erinnert sich an eine unbeschwerte Kindheit, in der sie mit Freunden durch die Stadt streifte, oft mit der Straßenbahn (Strasenbahn). Da alle arbeiteten, waren die Eltern selten zu Hause, sodass die Kinder viel Freiheit hatten.

Wiedererkennung und Nostalgie

  • Ausstellung: Die Ausstellung ist ein Fest der Wiedererkennung, mit Bildern von Autos wie dem Wartburg, Lada und Trabant sowie typischen ostdeutschen Gegenständen.
  • Propaganda: Sie sehen Bilder einer Nachrichtensendung aus den späten 80er Jahren über die Parade zum Internationalen Tag der Arbeit (1. Mai) auf der Karl-Marx-Allee. Ulrike erinnert sich, dass sie das „toll” fand und eine „Streberin” war, die in der Schule hervorragende Noten für „gutes sozialistisches Lernen” (vorbildliche sozialistische Bürgerin) bekam.
  • Zwischen den Zeilen: Susanne merkt an, dass die Medien voller „leeres Geschwätz” waren und man immer „zwischen den Zeilen lesen musste, um zu erfahren, was wirklich los war.
  • Fröhlichkeit: Trotz allem gab es laut Susanne auch viel Fröhlichkeit und Spaß. Sie behauptet, dass 80 % der DDR-Bevölkerung genauso fröhlich waren wie die Menschen im Westen.

Die Folgen der Wiedervereinigung

  • Übernahme: Susanne findet es schade, dass nach dem Fall der Mauer alles, was mit der DDR zu tun hatte, verschwinden musste. Sie wollten das „Westgeld” (die finanziellen Möglichkeiten), mussten aber sofort alles übernehmen.
  • Frustration: Menschen, die stolz darauf waren, das Land am Laufen zu halten, wurden von einem Tag auf den anderen arbeitslos und sich selbst überlassen. Susanne kommt zu dem Schluss, dass es kein Wunder ist, dass viele Ostdeutsche wütend und frustriert sind (was sie kurz mit der „Wahl der Rechten” in Verbindung bringt).

Hintergrund

Die besuchte Ausstellung ist: Sonderausstellung: Ost-Berlin. Die halbe Hauptstadt.
Datum: Mai 2019 – 10. November 2019
Ort: Ephraim-Palais, Berlin

Ost-Berlin hatte viele Gesichter: Die Metropole war das Machtzentrum der SED und das Aushängeschild der DDR. Gleichzeitig bot sie Raum für unterschiedliche Lebensstile und eine vielfältige Kultur. Wie haben diese Gegensätze das Alltagsleben der Menschen beeinflusst und welche Erfahrungen waren damit verbunden?

Die Ausstellung im Ephraim-Palais Museum nimmt Sie mit auf eine Entdeckungsreise vom Ende der 1960er Jahre bis zur Wiedervereinigung 1990. Faszinierende Originalobjekte, fotografische Zeugnisse sowie Film- und Tondokumente zeigen das städtische Leben, von Stadtplanung und Wohnen bis hin zu Arbeit und Freizeit, Mode und Konsum. So wird eine verschwundene Stadt wieder lebendig, deren Spuren noch heute im aktuellen Berlin zu finden sind. Darüber hinaus können Interessierte aus Ost und West unter dem Motto „Mein Ost-Berlin” ihre Objekte in der Ausstellung präsentieren und ihre Erfahrungen mit der Stadt beschreiben. Berliner Studenten und Schulklassen begleiten die historische Stadterkundung mit eigenen Projekten.

Ein vielfältiges Programm mit Führungen, Vorträgen, Workshops, einer Filmreihe, Diskussionen und einer großen Revue begleitet die Ausstellung. Und das ist noch längst nicht alles: Gemeinsam mit den Berliner Bezirksmuseen wird Ost-Berlin in die Stadt getragen.

Link: NPO Radio 1

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