Auf Radio 1: Mehr Akzeptanz für das „Hochdeutsch”.

In der Rubrik „Im Fokus“ geht es um eine einzigartige Aktion deutscher Sprachwissenschaftler, die mehr Akzeptanz für das „Hochdeutsch“ erreichen wollen. Die Journalistin und Deutschlandkennerin Ulrike Nagel informiert uns in „Bureau Buitenland” darüber. Was ist eigentlich „Hochdeutsch” – das deutsche Pendant zum Standardniederländischen? Diese Frage stellen Sprachwissenschaftler in Bayern. „Sie sagen, dass es gar keine einheitliche deutsche Standardsprache gibt, sondern dass diese je nach Region unterschiedlich ist”, sagt Deutschlandkennerin Ulrike Nagel in „Bureau Buitenland”.

00:00 Radio 1, Sophie Derkzen
00:31 Ulrike Nagel
01:34 Sophie Derkzen
01:44 Ulrike Nagel

Ulrike Nagel op Radio 1 over meer acceptatie van het Hochdeutsch.
Ulrike Nagel auf Radio 1 über mehr Akzeptanz des Hochdeutschen.

Zusammenfassung dieses Gesprächs

Die Journalistin Ulrike Nagel diskutiert in „Bureau Buitenland” auf Radio 1 eine Debatte unter Sprachwissenschaftlern in Bayern über die Definition und Akzeptanz des Hochdeutschen.

  • Diskussion über Hochdeutsch [00:00]: Sprachwissenschaftler in Bayern behaupten, dass es nicht nur eine einzige Hochdeutsch-Norm gibt, sondern dass diese je nach Region variiert. Sie wünschen sich mehr Akzeptanz für diese regionalen Varianten.
  • Regionale Standardsprachen [00:44]: Neben den vielen Dialekten in Deutschland gibt es sechs regionale Standardsprachen, von denen das Hochdeutsch aus dem Norden oft als die korrekteste Variante angesehen wird. Nagel, die aus dem Norden stammt, spricht selbst diese Variante [01:00].
  • Bayerischer Stolz [01:22]: Die bayerischen Sprachwissenschaftler plädieren dafür, dass das Südhochdeutsche, das beispielsweise vom bayerischen Ministerpräsidenten gesprochen wird, ebenfalls als gültige Version des Hochdeutschen anerkannt wird und dass man darauf stolz sein darf. Sie geben Beispiele für regionale Unterschiede im Wortgebrauch, wie „Buab” (bayerisch) / „Bube” (Südhochdeutsch) / „Junge” (Nordhochdeutsch) für „Junge” und „Semmel” (Süddeutsch) / „Brötchen” (Norddeutsch) für „Brötchen” [01:38].
  • Kulturelle Identität [02:35]: Die Diskussion zeigt den Wunsch, die eigene kulturelle Identität zu bewahren und zu fördern, auch in der Sprache. Sie wollen das Land aufklären und ihre eigenen Leute ermutigen, stolz auf ihren regionalen Sprachgebrauch zu sein.

Hintergrund

In Bayern wird Boarisch gesprochen. Neben allen Dialekten in Deutschland – die genauso unterschiedlich sind wie in den Niederlanden – gibt es auch eine Standardsprache pro Region. „Insgesamt gibt es sechs, während für die meisten Deutschen das Hochdeutsch aus dem Norden allgemein als die ‚korrekte Version‘ gilt“, sagt Nagel.

In Bayern möchte man nun deutlich machen, dass man „zu Recht stolz” auf das eigene regionale Hochdeutsch sein kann.

So klingt es

Ein Beispiel ist das Wort „Junge”, das so klingt: Bua im Beierischen, Bub im südlichen Hochdeutschen und Junge im nördlichen Hochdeutschen. Es sind drei verschiedene Wörter, aber keines davon ist falsch. Ein weiteres Beispiel ist „broodje“ (Brötchen), wo im nördlichen Hochdeutsch alle „Brötchen“ sagen, während man im südlichen Teil „Semmel“ verwendet.

Die deutsche Diskussion ähnelt in gewisser Weise der niederländischen, erklärt Nagel. „Auch in den Niederlanden basiert die Standardsprache weitgehend auf holländischen Dialekten, insbesondere aus den nördlichen Regionen. Außerdem gibt es im Niederländischen auch regionale Abweichungen. Friesisch ist zwar eine eigene Sprache, aber so etwas kommt in Deutschland nicht in Frage.”

In Bayern haben Sprachwissenschaftler das Gefühl, dass ihr eigenes Standarddeutsch weniger toleriert und akzeptiert wird, erzählt der Deutschlandkenner. „Deshalb möchten sie die Deutschen darüber informieren, dass regionale Varianten des Hochdeutschen genauso korrekt sind wie die im Norden.“

Link: NPO Radio 1

VPRO Radio 1 - Bureau Buitenland met Tim de Wit en Sophie Derksen

In „Bureau Buitenland“ hören Sie internationale Nachrichten, Reportagen und Geopolitik. Mit Hintergrundinformationen und bemerkenswerten Geschichten, montags bis freitags von 13.30 bis 14.00 Uhr. Moderatoren: Sophie Derkzen und Tim de Wit