Minderheitsregierung in den Niederlanden: Ein weiteres Experiment
Die Chancen der am Mittwoch verkündeten Minderheitsregierung in den Niederlanden stehen grundsätzlich gut. So lautet die Einschätzung der Journalistin Ulrike Nagel. Die Gespräche zwischen den Koalitionspartnern verliefen konstruktiv.
Die sozialliberale Partei D66 nominiert Rob Jetten als Ministerpräsidenten. Dies ist eine Premiere für die Partei, die die niederländischen Wahlen gewonnen hat.
Gemeinsam mit der konservativen CDA und dem rechtsliberalen VDD bilden sie eine Minderheitsregierung. Das bedeutet, dass sie stets auf die Mehrheit der Opposition angewiesen sein werden. Das wird eine Herausforderung, sagt Ulrike Nagel. Selbst die größte Oppositionspartei, die grüne PvdA, wäre verärgert darüber, nicht Teil der Koalition zu sein.
Hier ist die Zusammenfassung des Gesprächs mit der Journalistin Ulrike Nagel auf Radio 100,7 vom 29. Januar 2026 über die politische Lage in den Niederlanden:
Die neue Regierung und Rob Jetten
Historischer Moment: Der 38-jährige Rob Jetten von der linksliberalen D66 wird voraussichtlich der jüngste Premierminister in der Geschichte der Niederlande.
Die Koalition: Es handelt sich um ein Bündnis aus D66, den Christdemokraten (CDA) und den Rechtsliberalen (VVD).
Minderheitsstatus: Da das Bündnis keine eigene Mehrheit im Parlament hat, ist es bei jedem Projekt auf Stimmen der Opposition angewiesen.
Der Formationsprozess
Schnelligkeit: Die Verhandlungen dauerten nur etwa drei Monate (seit Dezember), was für niederländische Verhältnisse ungewöhnlich schnell ist.
Konstruktive Arbeit: Die Parteien haben bereits in Nachtarbeit einen gemeinsamen Haushaltsplan erstellt.
Jetten als „Verbinder“: Jetten wird als sympathischer und positiver Politiker beschrieben, der durch eine 17-seitige „Handreichung“ (zusammen mit dem CDA) die Basis für die Zusammenarbeit legte.
Warum eine Minderheitsregierung?
Veto der VVD: Eine stabilere Mehrheitskoalition der Mitte scheiterte an der VVD, die eine Zusammenarbeit mit dem Bündnis aus Sozialdemokraten und Grünen (GroenLinks-PvdA) kategorisch ablehnte.
Opposition: Die Sozialdemokraten bilden nun die größte Oppositionskraft und sind verärgert darüber, nicht an der Regierung beteiligt zu sein.
Die Krise der Rechtspopulisten (PVV)
Meuterei bei Wilders: Vor zwei Wochen verließen sieben Abgeordnete die Partei von Geert Wilders, da sie die undemokratische Struktur (Wilders ist das einzige offizielle Mitglied) kritisierten.
Machtverlust: Die PVV ist dadurch auf 19 Sitze geschrumpft und hat ihren Status als größte Oppositionspartei verloren.
Blockadehaltung: Wilders hat bereits angekündigt, die Pläne der Minderheitsregierung unter keinen Umständen zu unterstützen.
Fazit zur Stimmung
Trotz der schwierigen Suche nach Mehrheiten wird die aktuelle Stimmung im Vergleich zum gescheiterten Kabinett von 2023 als deutlich konstruktiver und vertrauensvoller eingeschätzt.
Besser informiert durch den Tag. Interviews, Reportagen und Einschätzungen aus dem 100.7 Morgenstudio. Präsentiert von Maurice Molitor. Radio 100,7 ist ein öffentlich-rechtlicher Hörfunksender im Großherzogtum Luxemburg. Radio 100,7 sendet überwiegend in luxemburgischer Sprache. Einzelne Interviews werden allerdings ohne Übersetzung auch in französischer und deutscher Sprache gesendet.