Beitrag von RTV Utrecht: Naturschutzgebiet durch zu viel Stickstoff und zu wenig Wasser gefährdet

Langbroek – Dem Natura-2000-Gebiet bei Overlangbroek geht es nicht gut. „Wenn wir nicht schnell eingreifen, wird davon nichts mehr übrig bleiben“, sagt der Ökologe Wim Verheugt. Gemeinsam mit einem Kollegen aus Utrecht verfasste er einen Bericht über den Eschen-Niederwald in der Nähe des Utrechtse Heuvelrug.

Beitrag für das Fernsehen (RTV Utrecht), Fotos und Text von Ulrike Nagel.

„Sehen Sie, hier wachsen normalerweise besondere Moose. Jetzt gibt es hier nur noch Brombeeren, die alles überwuchern.“ Bei jedem Grashalm, bei jedem Baum bleibt Wim Verheugt stehen. Er ist begeisterter Vogelbeobachter, vor allem aber Ökologe. Vor acht Jahren kehrte er in die Region zurück, nachdem er die ganze Welt bereist hatte. Verheugt blickt auf eine lange internationale Karriere zurück. Laut seiner Biografie ist er „Spezialist für Energie- und Agrarwandel“. Er begleitete chinesische Delegationen, um ihnen klarzumachen, dass sie ihre Wälder besser pflegen müssen, reiste als Berater mit niederländischen Politikern und lebte in Nepal, Indonesien und England.

Nun kümmert er sich um seine unmittelbare Umgebung, in der Arbeitsgruppe „Krommerijn-Korridor“, die sich für „den Schutz, die Wiederherstellung und die Stärkung der kulturhistorischen Landschaft“ einsetzt. In dieser Funktion verfasste er den Bericht, der im vergangenen Sommer erschien.

Kostspielige Pflege

„Sehen Sie“, sagt Verheugt, während er am Zaun des Eschen-Niederwaldes entlanggeht. „Diese Absperrung hat die staatliche Forstverwaltung hier gut angebracht, so können die Rehe nicht an die Bäume kommen.“ Aber er zählt vor allem auf, was nicht gut läuft. „Am liebsten würde sich die Provinz um die Pflege dieses Eschen-Niederwaldes entledigen. Denn das kostet viel Geld. Das geht aber nicht einfach so, denn wir haben innerhalb der EU vereinbart, dieses Naturgebiet zu schützen und zu erhalten.“

Im Jahr 2004 hat die Niederlande die Naturschutzgebiete ausgewiesen, die innerhalb der EU geschützt werden müssen. Dieser Eschen-Niederwald wurde in die Liste aufgenommen. „Hier gibt es Eschen, Erlen, und auf den Baumstümpfen wachsen besondere Moose, die sehr selten sind. Und Pilze. Eschen-Niederwald wurde früher für alles Mögliche verwendet, zum Beispiel als Holz für Beile, Schaufeln und Räder für Kutschen. Er ist jahrhundertealt – bereits vor 900 Jahren begannen die Bischöfe, das Land hier in der Region zu urbar zu machen.“

Die Provinz wolle den Eschen-Niederwald keineswegs aufgeben, so ein Sprecher. Die Provinz erkennt den besonderen Charakter des Waldes an, stimmt jedoch nicht mit den Feststellungen von Verheugt überein. „Dieses Eschen-Niederwaldgebiet auf nährstoffreichen Lehmböden stellt einen in europäischer Hinsicht seltenen Waldtyp dar“, so der Sprecher. Die Provinz hält den Natura-2000-Status daher für gerechtfertigt. Für die Pflege stehen ausreichend Mittel zur Verfügung, auch wenn diese relativ kostspielig ist.

Ein Kartenhaus, das zusammenbricht

Auch Wim Verheugt hält es für gerechtfertigt, dass der Wald auf die Liste der Natura-2000-Gebiete gesetzt wurde. „Diese Landschaft haben wir alle gemeinsam geschaffen. Die Niederlande haben eine von Menschenhand geschaffene Natur, aber diese geschaffene Natur ist dennoch etwas Besonderes. Man kann sich fragen, warum Moos wichtig ist, aber warum ist der Mensch wichtig? Jedes Lebewesen, jede Art hat einen inneren Wert. Und alles ist miteinander verbunden. Wenn man etwas aus diesem System entfernt, bricht es vielleicht wie ein Kartenhaus zusammen.“

Zu viel Stickstoff und zu wenig Wasser bedrohen die Bäume hier. Verheugt zeigt auf einen Graben zwischen den Bäumen. „Das hier müsste eigentlich ständig unter Wasser stehen. Und zwar nicht nur so kurz, sondern über einen langen Zeitraum. Es ist hier viel zu trocken, weil die Landwirte in der Umgebung einen niedrigen Wasserstand brauchen, um mit ihren Maschinen fahren zu können. Aber die Pflanzen brauchen eben viel mehr Wasser.“ Er zeigt auf den Wasserstand eines Wehrs. „Der ist also viel zu niedrig. Aber direkt daneben verläuft ein Entwässerungsgraben, denn hier hat ein Landwirt seinen Betrieb, und das ist bereits der landwirtschaftliche Wasserstand.“

Dilemma: Natur oder Landwirt?

Das trifft genau das Dilemma, das hinter der Stickstofffrage steckt. Was hat Vorrang, die Natur oder der Landwirt? Auch Wim Verheugt sieht dieses Dilemma. „Als Vogelbeobachter sitze ich regelmäßig mit Landwirten am Tisch. Und das geht mir sehr nahe, denn sie sind in einer prekären Lage. Nur bekommen sie von der Provinz schon seit Jahren die falsche Botschaft vermittelt. Seit dieses Gebiet 2004 ausgewiesen wurde, hätte die Provinz bereits mit den Landwirten an einen Tisch sitzen können, um zu besprechen, wie sie weniger extensiv wirtschaften können, damit sie neben diesem Natura-2000-Gebiet weiter landwirtschaftlich tätig sein können. Selbst der LTO weiß, dass neben einem Natura-2000-Gebiet keine intensive Viehhaltung mehr Platz hat.“

Außerdem wirft er der Provinz vor, den Wald hier nicht ordnungsgemäß zu bewirtschaften. „Es wurden zum Beispiel Linden zwischen den Bäumen gepflanzt, aber wenn man in einem Natura-2000-Gebiet Eingriffe vornimmt, verstößt man gegen die Vorschriften. Es ist kein botanischer Garten, man muss es so erhalten, wie es in den Vereinbarungen festgelegt ist.“

Niedriger Wasserstand

Nach Angaben der Provinz gibt es gute Gründe für die Anpflanzung anderer Baumarten in diesem Gebiet. Durch das Eichensterben hat sich das Blätterdach nämlich erheblich gelichtet. „Das Anpflanzen von Baumarten, die nicht anfällig für das Eichensterben sind, trägt dazu bei, das Blätterdach wieder zu schließen. Dadurch werden die Niederwaldstümpfe weniger schnell überwuchert. Durch die Anpflanzung anderer Baumarten kann das Ökosystem robuster gestaltet und die Stockausschläge hoffentlich erhalten werden“, so die Provinz.

Dass der niedrige Wasserstand in der Umgebung ein Problem darstellt, bestätigt die Provinz. Durch die zunehmende Trockenheit in den letzten Jahren sinkt der Grundwasserspiegel im gesamten Gebiet. Bereits früher wurde versucht, den Wasserstand hier anzuheben, was jedoch auf Widerstand stieß. Im Jahr 2019 versuchte die Provinz, auch den Wasserstand im umliegenden Gebiet anzuheben, doch diese Entscheidung scheiterte in einem Berufungsverfahren vor dem Staatsrat.

Die Provinz nimmt erneut Gespräche mit den Landwirten auf

Was die Landwirte betrifft, ist sich auch die Provinz bewusst, dass Gespräche notwendig sind, und damit hat sie bereits begonnen. „Als Provinz müssen wir konkrete Pläne erstellen, um die Stickstoffziele der Regierung zu erreichen. Doch diesen Weg können wir nur gemeinsam mit den Landwirten beschreiten.“ In der vergangenen Woche wurde deutlich, dass die Regelungen zum Aufkauf landwirtschaftlicher Betriebe großzügiger gestaltet werden; Landwirte mit besonders hohen Emissionen werden angesprochen und gefragt, ob sie freiwillig aufhören oder Teile ihres Betriebs verlegen möchten. Auf diese Weise will die Regierung die Stickstoffemissionen senken, damit sich die Natur erholen kann.

Wim Verheugt ist der Meinung, dass die Pflege des Eschen-Niederwaldes schnell verbessert werden muss. Seiner Ansicht nach sind beispielsweise in der Umgebung bereits deutlich weniger Vogelarten zu sehen und zu hören. „Wir sprechen hier von einem empfindlichen Ökosystem, das seit Jahren verfällt. Hier laufen Dinge wissentlich schief.“