Beitrag von RTV Utrecht: Natur und Landwirtschaft können sehr wohl zusammenarbeiten: „Wenn man sich an einen Tisch setzt, ist vieles möglich“

Provinz Utrecht – Durch die Einbindung der Natur in ihre Betriebsführung können Landwirtschaft und Natur durchaus Hand in Hand gehen. Das behauptet der Natur- und Umweltverband Utrecht. Er arbeitet bereits seit einigen Jahren gemeinsam mit Landwirten an ganz konkreten Lösungen.

Beitrag für das Fernsehen (RTV Utrecht), Fotos und Text von Ulrike Nagel.

Der Landwirt Jeroen van Wijk hält hundert Milchkühe in seinem Stall in Odijk und spricht als Vorstandsmitglied des Bauernverbands LTO auch regelmäßig mit seinen Kollegen. Van Wijk weiß daher, wo die größten Frustrationen liegen. „Auch in diesem Jahr sind viele Landwirte noch immer frustriert darüber, dass sie als Einzige die Stickstoffkrise lösen müssen, während die anderen Verursacher nach wie vor kaum beachtet werden.“

Die Landwirte sind über weitere Dinge verärgert. So führen Stickstoffurteile der Gerichte dazu, dass bereits erteilte Genehmigungen widerrufen werden, und die Landwirte sind der Meinung, dass den Dingen, die gut laufen, kaum Beachtung geschenkt wird. „Wenn man also den Einzelnen betrachtet, gibt es viel Protest, aber wenn man miteinander ins Gespräch kommt, sind eigentlich immer Kompromisse möglich.“

Wasserstand hoch oder runter?

Ein solcher Kompromiss ist auch bei einer Entscheidung über den Wasserstand notwendig. Hält man den Wasserstand hoch, weil das gut für ein Natura-2000-Gebiet wie den Eschen-Niederwald bei Overlangbroek ist? Oder senkt man den Wasserstand zugunsten der umliegenden landwirtschaftlichen Betriebe?

Josja Veraart vom Natur- und Umweltverband Utrecht sagt, dass man sich nicht unbedingt entscheiden muss, sondern den Landwirt fragen sollte, welche Optionen für ihn in Frage kommen. „Man kann auch fragen, was jemand braucht. Und vielleicht besteht die Lösung gar nicht darin, dass der Landwirt einen niedrigen Wasserstand benötigt, aber man erfährt die Wünsche und Möglichkeiten erst, wenn man ins Gespräch kommt.“

Die NMU arbeitet bereits seit einigen Jahren mit Landwirten zusammen, um zu prüfen, wie die Natur in deren Betriebe integriert werden kann. Der Landwirt Jeroen van Wijk bewirtschaftet im Rahmen der Kooperation „Nachhaltige Landwirtschaft mit Natur“ beispielsweise ein Naturschutzgebiet auf dem Landgut Vollenhove bei Zeist. „Ich habe damit vor zwei Jahren angefangen, und dieses Futter geht an einen Pferdehalter; auch die Kühe, die keine Milch geben, füttere ich damit.“

Ohne ein Ertragsmodell für den Landwirt funktioniert es nicht

Außerdem sorgt Jeroen dafür, dass die Ränder entlang der Gräben auf seinem Land frei von Dünger bleiben, und setzt er sich aktiv für den Schutz von Wiesenvögeln ein. Ein Blick für die Natur, aber nicht ohne die Suche nach Ertragsmodellen.

Josja Veraart von der NMU: „Es gibt noch weitere Beispiele, zum Beispiel Nussbäume auf dem Hof eines Landwirts. Diese Nüsse kann man auch ernten, darin steckt also ein Ertragsmodell. Und es gibt noch einen weiteren Effekt: Die Kühe können im Schatten dieser Bäume Schutz finden. Und es ist gut für die Artenvielfalt. Das ist natürlich nicht für jeden Landwirt geeignet, aber deshalb haben wir auch verschiedene Ertragsmodelle entwickelt. So sind beispielsweise Vereinbarungen mit der staatlichen Forstverwaltung möglich, zum Beispiel über Nahrungswälder. Und wir können auch ihre Betriebspläne durchrechnen lassen, um zu prüfen, ob etwas realisierbar ist. Denn das ist eine Voraussetzung.“

Natürlich gibt es auch viel Skepsis bei den Landwirten, wenn sie zum ersten Mal mit der NMU in Kontakt kommen. Josje Veraart lacht. „Es gibt in der Tat Landwirte, die sagen: ‚Damit kann ich überhaupt nichts anfangen.‘ Aber wenn wir uns dann wirklich unterhalten, stellen wir fest, dass eine gute Zusammenarbeit entstehen kann und dass sehr viel möglich ist. Wir versuchen dabei, langfristig zu denken, und die meisten Landwirte sehen diesen Wandel auch. Allerdings aus der Perspektive ihrer eigenen Möglichkeiten.“