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Radio 1: Deutsche „Newcomerin“ Wagenknecht beliebt
Sahra Wagenknecht war bis vor kurzem Abgeordnete der radikalen Linken Partei Die Linke, hat sich aber seit gestern mit einigen ihrer Kollegen abgespalten. Sie gründet eine neue Bewegung für enttäuschte deutsche Wähler. Und diese scheinen laut den letzten Umfragen dafür zu sein. Die Deutschland-Kennerin und Journalistin Ulrike Nagel über die beliebte Politikerin.
00:00 Radio 1 Bureau Buitenland 01:04 Ulrike Nagel 05:19 Sahra Wagenknecht 05:55 Ulrike Nagel
Zusammenfassung dieses Gesprächs
Die Journalistin Ulrike Nagel diskutiert in „Bureau Buitenland” auf Radio 1 den Aufstieg von Sarah Wagenknecht und ihrer neuen politischen Partei in Deutschland sowie die Gründe für ihre schnelle Popularität.
Ulrike Nagel auf NPO Radio 1 über Sahra Wagenknecht (VPRO Bureau Buitenland)
Der Aufstieg von Sarah Wagenknecht [00:00]: Sarah Wagenknecht, ehemalige Fraktionsvorsitzende der Partei Die Linke (eine postkommunistische Partei), hat ihre eigene politische Partei angekündigt, das „Bündnis Sahra Wagenknecht” (BSW). Unmittelbar nach der Ankündigung stieg ihre Partei in den Umfragen auf 12 %, was für eine neue Partei in Deutschland beispiellos ist.
Wer ist Sarah Wagenknecht? [00:52]: Wagenknecht ist eine auffällige Persönlichkeit, die oft mit Rosa Luxemburg, einer marxistischen Politikerin aus der Vergangenheit, verglichen wird. Sie ist bekannt für ihre standhaften und oft extremen Ansichten, die sie ungeachtet der Kritik offen vertritt. Sie scheut sich nicht, mit Journalisten und anderen Politikern zu diskutieren, was sie zu einer prominenten Persönlichkeit macht.
Gründe für ihre Popularität [02:19]: Ihre Popularität wird darauf zurückgeführt, dass sich viele Bürger von den etablierten Mitte-Parteien (SPD, FDP, Grüne) nicht mehr vertreten fühlen. Die Menschen suchen ihr Heil in den Extremen, sowohl links als auch rechts, und Wagenknecht bedient dieses Gefühl. Sie richtet sich an den „normalen Bürger” und kritisiert das, was sie als „linke Woke-Politik” ansieht [03:06].
Standpunkte und ostdeutscher Hintergrund [04:03]: Wagenknechts Standpunkte stimmen teilweise mit denen der AfD überein, insbesondere in den Bereichen Einwanderung (sie plädiert für eine Beschränkung, wie in Dänemark) und Wirtschaft (sie will gegen Reiche vorgehen). Sie ist auch für die Rückkehr zu russischem Gas und gegen Sanktionen, was sich unter anderem durch ihre ostdeutsche Jugend erklären lässt [04:24]. Sie wuchs in der ehemaligen DDR auf und hat dort mehr erlebt als Nagel. Sie hat auch Russisch gelernt und steht Russland näher als viele Westeuropäer.
Kontroverse und Medien [05:41]: Ihre pro-russische Haltung hat ihr viel Kritik eingebracht, und sie wird manchmal in die „Putin-Versteher”-Ecke gestellt. Nagel merkt an, dass Wagenknecht in den deutschen Medien oft hart angegangen wird, trotz ihrer Bemühungen, einen ruhigen Ton zu bewahren.
Potenzial und Zukunft [07:07]: Eine Umfrage in der Bild-Zeitung ergab, dass ein Viertel der Deutschen erwägen würde, für sie zu stimmen. Ihre Wähler kommen wahrscheinlich vor allem aus der AfD und Die Linke, insbesondere aus der Gruppe der älteren Ostdeutschen, die sich mit ihrem Hintergrund identifizieren können. Die Landtagswahlen in Ostdeutschland im nächsten Jahr (Thüringen, Sachsen, Brandenburg) werden ein wichtiger Test sein. Sie strebt an, ihre Bewegung bis Juni nächsten Jahres in eine Partei umzuwandeln.
Auswirkungen auf die deutsche Politik [08:48]: Wagenknechts Aufstieg könnte zu einem weiteren Zerfall der Linken führen. Obwohl sie in der Vergangenheit Schwierigkeiten hatte, eine Bewegung zu organisieren, ist sie nun entschlossen, eine professionelle Organisation aufzubauen.
In „Bureau Buitenland” hören Sie internationale Nachrichten, Reportagen und Geopolitik. Mit Hintergrundinformationen und bemerkenswerten Geschichten, montags bis freitags von 13.30 bis 14.00 Uhr. Moderatoren: Sophie Derkzen und Tim de Wit