Journalistin | Redakteurin | Moderatorin | Deutschland-Expertin / Korrespondent | in Hilversum & Berlin
Zu Gast bei Radio M Utrecht (“Aan Tafel!”) zum Thema Podcast
Deutscher Tag – Die Journalistin Ulrike Nagel erzählt Liesbeth de Moor von ihrem Podcast „Over de muur” (Über die Mauer), in dem sie untersucht, wie die Mauer und ihr Fall ihre Jugend in Ostberlin beeinflusst haben und welche Rolle die Niederlande in dem militaristischen Staat im Osten gespielt haben.
In diesem Gespräch besprochen
Die Journalistin Ulrike Nagel spricht bei Radio M Utrecht über ihren Podcast „Over de Muur”, in dem sie ihre Kindheit in Ostberlin (DDR) und die Auswirkungen der Mauer untersucht.
Ulrike Nagel zu Gast bei Radio M Utrecht („Aan Tafel!”) über den Podcast
Podcast „Over de Muur” [00:34]: Nagel wuchs in Ostberlin auf und hat warme Erinnerungen daran. Sie wollte jedoch untersuchen, ob diese Erinnerungen mit der Realität übereinstimmen. Der Podcast, bestehend aus sechs Teilen von jeweils über einer halben Stunde, untersucht, wie prägend die Mauer für ihr Leben und das ihrer Klassenkameraden war, welche Rolle die Niederlande im Kalten Krieg spielten und inwiefern ihre Familie (u. a. mit der Stasi) involviert war. Der Titel des Podcasts ist inspiriert von dem bekannten Lied von Klein Orkest [01:30].
Hintergrund Ulrike Nagel [03:14]: Nagel wurde 1979 geboren und lernte mit 15 Jahren einen Niederländer kennen, was sie motivierte, Niederländisch zu lernen und in die Niederlande zu ziehen. Sie hat immer noch einen deutschen Pass, spricht aber gut Niederländisch. Zwischenzeitlich lebte sie acht Jahre lang mit ihrer Familie in Berlin, bevor sie in die Niederlande zurückkehrte [04:25].
Kindheit in Ostdeutschland [05:03]: Sie beschreibt ihre Kindheit als glücklich, obwohl sie in einer Diktatur lebte. Die militärische Disziplin in der Schule empfand sie als normal, einschließlich der Nationalhymne, sozialistischen Grußformeln und Jugendorganisationen [05:14]. Erst später, als Erwachsene, wurde ihr bewusst, wie streng das war, weil sie nichts anderes kannte [08:02].
Die Mauer und Unterschiede zum Westen [12:44]: Obwohl sie buchstäblich weit von der Mauer entfernt wohnte, war sie sich als Kind durchaus der beiden Systeme und der Unterschiede zu Westdeutschland bewusst. Dies zeigte sich am Mangel an westlichen Produkten (wie Barbies) und an der Qualität der Kleidung. Westdeutsche Verwandte schickten Kleidung, aber ohne erkennbare Marken, da Markenkleidung in der Schule verboten war [13:21].
Erforschung der Vergangenheit [14:29]: Ihr Ziel mit dem Podcast ist es, das Bild von Unterdrückung und Armut in Ostdeutschland zu nuancieren, indem sie zeigt, dass ein gutes Leben in einer Diktatur möglich war [15:09]. Gleichzeitig wollte sie auf einer tieferen Ebene untersuchen, was mit ihren Gefühlen nicht übereinstimmte. Durch ihre Freundin Anita erfuhr sie, dass deren Vater Einschränkungen erfahren hatte, weil er nicht mit Jugendorganisationen zusammengearbeitet hatte [17:14]. Auch Anitas Familiengeschichte, die erst jetzt recherchiert wurde, enthielt Unstimmigkeiten, wie zum Beispiel den verdächtigen Tod ihres Großvaters [20:02].
Der Fall der Mauer und seine Folgen [20:27]: Nagel hat vage Erinnerungen an die Unsicherheit rund um den Fall der Mauer. Ihre Eltern mussten ihr Leben in einem völlig neuen System neu erfinden, während sie sich als Kind in Musik und Bücher flüchtete [22:07]. Sie erzählt, wie ihre Mutter von der Stasi angesprochen wurde und wie schwierig es war, ihren Vater, der stolz auf seine Zeit in der DDR war, über seine Vergangenheit zu befragen [22:33].
Deutschland heute [24:08]: Obwohl Deutschland offiziell wiedervereinigt ist, bleiben die Unterschiede zwischen Ost und West deutlich sichtbar, insbesondere in den politischen Analysen darüber, warum im Osten extremer gewählt wird. Diese Frustrationen haben ihre Wurzeln in den frühen 90er Jahren und der Zeit davor, als es zwei sehr unterschiedliche Deutschlands gab [25:04].
Zukunft des Podcasts [25:25]: Nagel hofft auf eine Fortsetzung des Podcasts, da noch offene Fragen bestehen und sie von vielen anderen Ostdeutschen in den Niederlanden mit interessanten Geschichten angesprochen wurde.
In der Mittagsendung „Aan Tafel!” auf Radio M Utrecht wird jeden Tag abwechslungsreiche Musik serviert. Außerdem kommen täglich interessante Gäste ins Studio, und Reporter Robert Jan Booij reist durch die Provinz auf der Suche nach besonderen Geschichten und Ereignissen. Ausflüge, Kultur, Gesundheit und Natur stehen dabei im Mittelpunkt.